Als wäre nicht genug alleine für mich da

Texte der Popmusik – Texte der Bibel

Es kommt mir manchmal einfach so vor, als wäre nicht genug alleine für mich da. Thees Uhlmannn/Tomte

Gen 4,3ff

Es war nach Ablauf einer Zeit, da brachte Kain von der Frucht der Erde ein Opfer. Und auch Abel brachte gleichfalls von den Erstgeburten seiner Schafe und von deren besten. Da wandte sich Gott zu Abel und seinem Opfer, aber zu Kain und seinem Opfer wendete er sich nicht; es verdroß dies Kain sehr, und es senkte sich sein Angesicht.

Da sprach Gott zu Kain: Warum verdrießt es dich, und warum ist dein Angesicht gesenkt? Siehe, ob du deinen Vorzug zum Guten verwenden, oder nicht zum Guten verwenden wirst, dazu ruht die Sünde vor der Tür; ja zu dir geht ihr Sehnen, dass du sie beherrschest (Übersetzung: Samson Raphael Hirsch)

Wenn im Konfirmandenunterricht die Frage aufkommt, was Sünde ist, dann sage ich oft: Sünde (=Sund) ist alles das (Gefühle, Gedanken, Taten, Unterlassungen), was mich von Gott und von meinen Mitmenschen trennt. Aber meine Lieblingsdefinition von Sünde ist die von Thees Uhlmann aus dem Tomte-Stück „Das War Ich.“

Auch wenn Thees Uhlmann auf der Begleit-DVD zum Album „Buchstaben über der Stadt“ seinen Konfirmator aufsucht, ich kann mir nicht vorstellen, dass er beim Schreiben dieser Textzeile an das Wort „Sünde“ gedacht hat. Was soll’s! Es steckt immer mehr in einem Text, als das, was der Autor/die Autorin selbst in ihn hineingelegt hat (Green Garthside, 1982).

Es ist die Definition, bei der ich mich mit meinem eigenen Sünder-Sein so gut wiederfinde. In diesen Worten wird klar, dass Sünde kein moralischer Begriff ist, etwas anderes als ein moralischer Defekt, der sich mit gutem Willen, Reue, Selbst-/Fremdkritik beheben lässt. Sünde ist das, was ich aus der Angst heraus tue, dass nicht genug alleine für mich da ist (ist übrigens nicht weit weg von Luthers Beschreibung des Sünders als in sich selbst verkrümmten Menschen): nicht genug Liebe, nicht genug Zärtlichkeit, nicht genug Anerkennung, Aufmerksamkeit, Respekt, nicht genug Situationen, in denen ich merke, das ich gebraucht werde, dass ich wichtig bin.

Was ich aus dieser Angst heraus tue, ist gefährlich, weil es, wahrlich nicht nur bei Kain, sogar auf Totschlag, auf Brudermord hinauslaufen kann. Diese Gefahr steckt in jedem von uns drin. Aber es kann, zumindest für die anderen, auch sehr moralisch, zuvorkommend, menschenfreundlich aussehen. Ich kann dafür viel Beifall ernten. Und es bleibt trotzdem Sünde, etwas, was mich von den anderen trennt, weil ich es nicht frei von Berechnung, nicht aus Lust, voller Fröhlichkeit, sondern aus der Angst heraus tue, dass es für mich alleine sonst nicht reichen könnte.

Vielleicht gibt es kein 100% sündiges und kein 100% sündfreies Tun. Oder gibt es bisweilen glückliche Ausnahmefälle.

„Manchmal kommt es mir so vor“ schreibt Thees Uhlmann. Also zum Glück (längst) nicht immer. Dass er das Wörtchen „allein“ eingefügt hat, macht die Sache so todtraurig. Todtraurige Vorstellung: Liebe, Respekt, Zärtlichkeit, das Gefühl, gebraucht zu werden, nur für mich alleine haben zu wollen. Anstatt es zu genießen, sie miteinander zu teilen.

Und trotzdem kenne ich diese Angst (genauso wie ich gottlob ihr Gegenteil kenne). Ich kenne die Panik, die diese Angst auslöst. Das ist Gottes größtes Problem mit uns, wie er es hinbekommt, uns diese Angst zu nehmen, jeden Tag aufs Neue. Kain hat Gott diese Angst nicht nehmen können. Obwohl Gott Kain sofort auf seine Gedanken und Empfindungen angesprochen hat, bevor alles zu spät war.

Gott hat in Christus sein Liebstes am Kreuz für uns dahingegeben und findet sich dennoch uns gegenüber weiterhin als Bittspieler wieder. Lasst Euch versöhnen mit Gott! Warum glaubt Ihr mir meine Liebe nicht? Lasst Euch frei machen, die anderen zu lieben, anstatt darauf zu warten, von Ihnen geliebt zu werden! Lass Dich frei machen, an dem anderen zu achten, was Dir an ihm fremd und verschlossen bleibt. Es ist mehr als genug gemeinsam für Euch da. Welch ein Segen, dass Gott bereit bleibt, sich uns gegenüber aufs Bitten zu verlegen.

Winfried Reuter

Tomte – Das war ich Songtext

das war ich, der den wegbrachte
den du am längsten kennst.
und der tag an dem du laufen lernst
werden wir zusammen gehen.
bis zu meiner trauer und zurück.
denn es kommt mir manchmal einfach so vor,
als wäre nicht genug alleine für mich da.
wenn es nicht mehr geht leihe ich dir ein ohr
und das hier ist die welt bitte sei stark…
auuhuu auuhuu
wenn es nicht mehr geht leih ich dir ein Ohr und das hier ist die Welt bitte sei stark
du wirst verstehen,
warum ich nicht in der lage war
versprechen zu leben,
versprechen zu geben.
durch zu halten,
dir eine hilfe zu sein.
und deswegen hier für dich
das einzige, was ich wirklich kann
denn es kommt mir manchmal einfach so vor, als wäre nicht genug alleine für mich da, wenn es nicht mehr weiter geht leih ich dir ein ohr.
und das hier ist die welt bitte sei stark
auuhuu auuhuu
wenn es nicht mehr weiter geht leih ich dir ein Ohr und das hier ist die welt bitte sei stark

Dieser Beitrag wurde unter Texte der Popmusik/Texte der Bibel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.