2015, 09, 13, Mt 6,25-34, Silberne Konfirmation

SL: 2. Könige 17,-16

 

Liebe Jubelkonfirmanden, liebe Jubelkonfirmandinnen, liebe Gemeinde!

Davon gehe ich einfach aus, dass Sie nicht zur Feier Ihrer Jubelkonfirmation gekommen sind, um diesen Tag damit zu vertun, dass sie sich schon heute darüber den Kopf zerbrechen, was morgen sein wird. Warum sollten Sie auch? Ich freu mich auf den heutigen Tag, haben Sie Frau Sarhage mir noch Freitag am Telefon gesagt. Ich freu mich darauf, die anderen aus meiner Konfirmandengruppe wiederzutreffen.

Ich bin gespannt darauf, zu hören, wie es Ihnen ergangen ist, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben. Und vielleicht heißt Vorfreude auf diesen Tag auch: Ich freu mich darauf, mal wieder zu einem Gottesdienst hier in der kleinen Kirche zu sein. Und warum sollte es Ihnen Vieren anders als Ihrer Mitkonfirmandin gehen. Warum sollten Sie teilweise einen so weiten Weg auf sich genommen haben, wenn Sie sich nicht auch auf diesen Tag, auf das Zusammentreffen gefreut hätten und jetzt nicht auch genießen sollten, mit allen Sinnen hier zu sein.

Und das niemand von Ihnen sich darum Sorgen gemacht hat, was er, was sie heute trinken werden, wenn Sie in unserer Gemeinde zu Gast sind, das wollen wir doch stark hoffen. Gehört jemand von Ihnen zu den Menschen, die Ewigkeiten darüber grübeln, was sie anziehen werden? Selbst wenn das so sein sollte, eine schlaflose Nacht werden Sie deshalb bestimmt nicht gehabt haben.

Ist das so, dass Jesus mit seinem „Sorget nicht!“ offene Türen bei Ihnen einrennt? Ist das so, dass die Worte, die er sagt, die Bilder und Vergleiche, die er wählt, Ihnen aus dem Herzen gesprochen sind? Seid ihr nicht sehr verschieden von den Vögeln unter dem Himmel, die nicht säen und nicht ernten und der Vater im Himmel ernährt sie doch? Seid ihr nicht Menschenkinder, von Gott geschaffen, seine Ebenbilder zu sein? Wie sollte Gott da nicht erst recht für Euch sorgen?Jesu

Seid ihr nicht sehr verschieden von den Lilien auf dem Felde? Ihr habt große Freude daran, die Lilien in freier Natur anzusehen. Ihr staunt, welche Vielfalt an Formen und Farben nur diese eine Blumenart annehmen kann. Und dabei blüht sie nur kurze Zeit, bevor sie wieder verwelkt, und wenn wir sie abschneiden und in in eine Vase stellen, geht es noch viel schneller. Was für eine reiche Form von Verschwendung, wenn Gott dennoch Sorge getragen hat, dass sie schön sind, lieblich anzusehn. Wie sollte er keinen Blick dafür haben, was Ihr nötig habt. Wie sollte er es versäumen, Sorge zu tragen, dass Ihr in Eurem Leben das bekommt, was Euch Not tut?

Ist ganz gewiss keine geringe Freude, aus Jesu Mund ausgesprochen und bestätigt zu bekommen, was Dir selbst schon lange auf der Zunge lang, was Du selbst nur nicht so formulieren konntest: Kein Grund Dir das Leben mit unsinnigem Grübeln und Sorgen schwer zu machen. Kein Grund, Gottes Fürsorge für Dein Leben in Zweifel zu ziehen. Viel Grund, Deine müden Augen getrost zufallen zu lassen, nicht immer noch weiter und weiter zu arbeiten, im Vertrauen darauf, dass der morgige Tag auch ohne Dein Zutun in der Lage ist, für das Seine zu sorgen.

Beim Schreiben dieser Predigt habe ich an dieser Stelle lange gezögert, weiterzuschreiben, weil ich mich so unsicher fühlte. Ich wollte gerne so etwas schreiben wie: Mir sind diese Worte Jesu über das Sorgen im Laufe meines Lebens immer kostbarer geworden. Wenn ich mich nicht jeden Tag aufs Neue daran festklammern dürfte, dass Jesus mich daran erinnert, dass es genug ist, dass jeder Tag seine eigene Sorgen hat, ich wüsste gar nicht, wie ich in meinem Leben klar kommen sollte. Mir sind Jesu Worte deshalb so kostbar, weil ich weiß, wie dringend ich diese Erinnerung brauche: Die Plage dieses heutigen Tages ist genug für Dich. Mit allem anderen würdest Du Dich überfordern. Du würdest versuchen, das menschliche Maß zu überschreiten, dass Gott Dir wie jedem anderen Menschen auch zugedacht hat.

Ich habe aus mehreren Gründen gezögert, das hinzuschreiben. Mir kam das in verschiedenen Hinsicht großspurig vor. Zum einen im Blick darauf, wie ich mich selbst Ihnen und Euch gegenüber darstelle. Wenn ich sage, dass Jesu Worte mir kostbar sind, weil sie mir gegen das eigene Sorgen helfen, dann muss ich aber auch von den Tagen und Nächten erzählen, in denen mir auch die Sorge dieses einen Tages zu viel wird. Dann muss ich auch von den Nächten erzählen, in denen ich nicht getrost meine Augen vor Müdigkeit zufallen lasse, sondern mein Herz vor Sorge so rast, dass ich einfach nicht wieder einschlafen kann, wenn ich einmal wach geworden bin und dass mir in solche Nächten auch das Beten sehr schwer fällt.

Ich habe gezögert, das hinzuschreiben, weil ich gedacht habe: Du müsstest jetzt erst Mal wissen, was genau in den Köpfen der Menschen vor sich geht, die versuchen, Dir zuzuhören. Ich habe an Sie fünf gedacht, die heute das Jubiläum Ihrer Konfirmation von vor 25 Jahren feiern. Ich habe überlegt ob Sie nicht sagen werden: Ja, natürlich, haben wir uns auf den heutigen Tag gefreut, sonst wären wir bestimmt nicht hier, aber Sie, Pastor Reuter, wissen doch gar nicht, was wir außer unserer Vorfreude noch alles mitgebracht haben. Sie können doch gar nicht wissen, welche Sorgen, welche Lasten, welche Verantwortung wir mit uns herumschleppen. 25 Jahre sind eine lange Zeit, es gibt so viel, was in diesen 25 Jahren alles passiert ist, in meinem Leben, in der Beziehung zwischen meinem Gott und mir.

Zu schreiben, dass mir Jesu Worte gegen das Sorgen kostbar sind, kam mir deshalb großspurig vor, weil ich an einzelne Menschen aus unserer Gemeinde gedacht habe, von deren aktuellen Sorgen ich ein wenig weiß: weil die schon seit langem bestehen, weil die schon so lange schwer krank sind, oder weil sie mir kürzlich etwas darüber erzählt haben. Würde ich in Ihrer Haut stecken, würde ich dann in gleicher Weise sagen, dass mir Jesu Worte gegen das Sorgen kostbar sind.

Ich hab gezögert, meine Sätze hinzuschreiben, weil ich an Menschen gedacht habe, von denen ich gerne wüsste, wie sie auf Jesu Worte reagieren, auch wenn ich sie persönlich gar nicht kenne. Wie sprechen Jesu Worte zu Menschen, die in einem Kriegsgebiet leben, zu Menschen, denen Gewalt angetan wurde, zu Menschen, die auf der Flucht sind.

Sorget nicht! Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner seiner Gerechtigkeit, danach, dass sein Wille geschieht, im Himmel wie auf Erden, so wird euch all das andere, um das ihr euch verständlicherweise Sorgen macht, Essen, Trinken, Kleidung, Geld, um eure Schulden zu bezahlen, zufallen. Euer Vater im Himmel weiß, dass ihr dessen bedürft.

Sorgt euch nicht darum, ob Ihr Erfolg habt, ob Ihr bei den anderen ankommt! Sorge Dich nicht darum, wie lange Du Deine Krankheit noch durchhalten sollst1 Sorge Dich nicht darum, dass Du älter wirst, vergesslicher, müder! Sorge Dich nicht um Deine Kinder, was aus Ihnen wird. Sorge Dich nicht wegen der Fehler, die Du begangen hast, Sorge dich nicht wegen der Fehler die Du begehen wirst, obwohl Du Dir noch so viel Mühe gibst, sie zu vermeiden!

Sorge Dich nicht um den Menschen, den Du liebst! Sorge Dich nicht wegen der Menschen, die Dicht nicht leiden können, die versuchen, Dir Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Ein Glück, Gott sei Dank, nicht ich sage dass zu Ihnen, zu Euch, zu irgendeinem anderen Menschen, der Dir und mir in den Sinn kommt. Ich könnte es nicht, es wäre lächerlich und vermessen zugleich. Ich kann es nicht und ich brauche es nicht. Ein Glück, Gott sei Dank, dass Jesus das sagt: zu Ihnen und zu mir, zu jedem einzelnen von uns, zu uns gemeinsam als Menschen, die versuchen, ihm nachzufolgen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mir das von irgendjemand anderem als von Jesus sagen lassen würde. Vielleicht kurzfristig, für eine einzelne, begrenzte Situation auch von einem anderen Menschen, zu dem ich großes Vertrauen habe. Aber ganz bestimmt nicht im Blick auf alles, was mein Leben ausmacht und umfasst. Wie sollte ein anderer Mensch das tun, ohne sich hoffnungslos damit zu überheben.

Ein Glück, Gott sei Dank, dass Jesus es zu mir sagt, der in seinem Leben auf der Erde so oft morgens nicht gewusst hat, wo er essen, wo er schlafen wird, der im Garten Gethsemane in seiner Todesangst geweint hat, und der sich vom Vater im Himmel die Kraft erbeten hat, dennoch seinen Weg bis zum qualvollen Sterben am Kreuz zu Ende zu gehen.

Ein Glück, dass Jesus es sagt, der noch im Sterben für die gebetet hat, die ihn gefoltert und verspottet haben, und für alle, die sich von ihm losgesagt und ihn im Stich gelassen haben Ein Glück, dass Jesus es sagt, den Gott gesandt hat, um seine Welt mit sich zu versöhne, um einseitig mit uns Frieden zu schließen, während wir Menschen weiterhin Krieg gegen ihn führen. Ein Glück, dass Jesus es zu mir sagt, der mich nicht für meine Zweifel verurteilt, der mich nicht verstößt, wenn ich in meiner kleinen Welt sein Reich aus den Augen verliere., dass in Vlotho nicht anders Gestalt annehmen soll, als in Teheran, in Damaskus, in Tel Aviv. Ein Glück, dass Jesus es zu mir sagt, der weiter für mich betet, wenn mir selbst alle Kraft zum Beten abhanden gekommen ist.

Sorget nicht. Der morgige Tag wird für das Seinige Sorge. Es ist genug, wenn der heutige Tag seine eigene Sorge hat. Mir sind Jesu Worte kostbar, weil Jesus es sich traut, weil er das wagt, und weil er die Verantwortung übernimmt, das zu jedem Menschen zu sagen, zu reichen und zu armen, zu gesunden und zu kranken, zu Frauen und zu Männer, zu jungen und zu alten, zu starken und zu schwachen, zu Ihnen, zu Euch, zu allen, die ich kenne, zu allen, bei denen mir das nie über die Lippen will.

Jesus Worte haben Macht, Dich und mich aus unserem Sorgen herauszureißen. Sie haben das in der Vergangenheit getan. Darauf setzte ich all meine Hoffnung, dass Jesus es wagen und dafür einstehen wird, es an jedem Tag Ihres und meines Lebens, der noch vor uns liegt: von Neuem zu sagen: Sorge nicht, Dein Vater im Himmel weiß, was Du heute nötig hast. Darauf setzte ich all meine Hoffnung, dass sein Wort seine Wirkung bei Ihnen und mir nicht verfehlen wird.

Amen

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