{"id":710,"date":"2016-11-15T07:24:44","date_gmt":"2016-11-15T06:24:44","guid":{"rendered":"http:\/\/refgemvlotho.de\/?p=710"},"modified":"2017-03-10T16:40:53","modified_gmt":"2017-03-10T15:40:53","slug":"predigt-2016-11-16-buss-und-bettag-roem-21-11","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/refgemvlotho.de\/?p=710","title":{"rendered":"Predigt 2016, 11, 16, Bu\u00df-und Bettag  R\u00f6m 2,1-11"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Liebe Gemeinde!<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Gott traut es sich zu, seine Menschen zur Umkehr zu bewegen, noch immer, an jedem Tag aufs Neue, alle seine Menschen, also auch Dich und mich und die Menschen, mit denen wir es zu tun haben. Ob wir verstehen, wie gro\u00df dieses Geschenk ist, dass Gott das tut, dass er sich diese Last auf seine Schultern b\u00fcrdet? Wohl kaum. Aber auch, wenn wir nicht mehr als einen blassen Schimmer davon haben, was Gott sich selbst mit dieser Aufgabe zumutet, reicht dieser blasse Schimmer nicht alle Male aus, um fr\u00f6hlich Bu\u00df- und Bettag zu feiern? Wei\u00dft Du einen anderen, einen st\u00e4rkeren Antriebsmotor, der Dich und mich zur Umkehr treibt als Gottes G\u00fcte, als seine Langmut, als seine Geduld?<\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Ob die Dinge, die wir tun, b\u00f6se sind, das l\u00e4sst sich nur bedingt an unseren Absichten ablesen. Wenn Deine Absichten schon b\u00f6se sind, klar, dass dann am Ende kaum was Gutes dabei herauskommt. Wenn Du Deinen Freund, Deine Freundin oder wen auch immer mit voller Absicht verletztest, sei&#8217;s weil Deine sadistische Ader mit Dir durchgeht, sei&#8217;s weil Du der Versuchung, Deine Schadensfreude zu zeigen einfach nicht widerstehen konntest, sei&#8217;s weil Du Du das Gef\u00fchl hast, dem anderen, der anderen, so richtig eine zu verpassen, damit sie begreifen, wie sehr sie Dich verletzen haben, da wirst Du Dich nicht allzu sehr dar\u00fcber wundern, dass Ihr durch eine solche Aktion beide nicht gl\u00fccklicher werdet.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Wenn Du Deinen morgendlichen Frust \u00fcber Deine Lehrerin oder Deinen Arbeitskollegen nachmittags an Deinen Geschwistern oder Deinem Mann ausl\u00e4sst, wirst Du schon selber damit rechnen, dass sie Dir daf\u00fcr nicht um den Hals fallen werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Aber auch wenn Du eine Sache in der \u00dcberzeugung anpackst, dass Deine Absichten gut sind, kann es trotzdem sein, dass Du b\u00f6se handelst. Es kann zum einen sein, dass Du Dich in Deinen guten Absichten t\u00e4uschst. Es kann sein, dass sich da einiges an Eitelkeit, Besserwisserei, gekr\u00e4nktem Stolz, von Gef\u00fchlen der Verletztheit unter Deine guten Absichten gemischt hat, \u00fcber die Du Dir selber nur nicht im Klaren bist, die aber die anderen deshalb weniger deutlich wahrnehmen und entsprechend reagieren. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Aber es kann sogar passieren, dass Du Dir endlich ein Herz nimmst, nachdem Du das solange vor Dir herschoben hast, und zu jemandem hingehst, um sie oder ihn um Entschuldigung zu bitten f\u00fcr das, was Du getan hast, und am Ende Eures Gespr\u00e4chs m\u00fcsst Ihr zu Euer beider Erschrecken feststellen, dass es zwischen Euch durch das Reden eher noch schlechter als besser geworden ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Ob wir b\u00f6se handeln, stellt sich vielleicht am deutlichsten an den Folgen raus, die unser Handeln hat. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Tr\u00fcbsal und bedr\u00e4ngende Enge auf den Menschen, der das B\u00f6se tut. Das ist es, was Gott keiner Menschenseele g\u00f6nnt: Tr\u00fcbsal, bedr\u00e4ngende Enge, aussichtsloser, nicht enden wollender Streit. Deshalb m\u00f6chte er es so gerne, deshalb hofft er darauf, dass wir umkehren. Deshalb tr\u00e4gt er uns, die Gef\u00e4\u00dfe, die er geschaffen hat, in solcher Langmut. Deshalb b\u00fcrdet sich Gott diese Last auf, uns ur Umkehr zu bewegen. Deshalb ist Gottes Wort in Jesus Christus Fleisch geworden. Deshalb hat Jesus uns den Vater im Himmel vor Augen gemalt, in allem, was er \u00fcber ihn erz\u00e4hlt, in allem, wie er unter uns gelebt hat.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Jesus hat sich nicht um seine Ehre gesorgt, er hat seine Ehre seinem Vater im Himmel anheim gestellt. Jesus hat sein Leben nicht darauf konzentriert, um sein Recht zu k\u00e4mpfen, geschweige denn darauf, sei n Recht mit <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Zwangsmitteln gegen uns durchzusetzen. Jesus hat darum gek\u00e4mpft, das Herz derer zu gewinnen, die ihm gegen\u00fcber so tief im Unrecht sind, die ihn verh\u00f6hnen, die um ihre Macht f\u00fcrchten, die Freude an seinen Qualen haben, die ihn der L\u00fcge bezichtigen, indem sie falsche Behauptungen \u00fcber ihn aufstellen, die sich aus Angst um ihr Leben von ihm lossagen. Er ist den schmachvollen Tod am R\u00f6merkreuz gestorben. Er hat am Kreuz mit der Anfechtung gek\u00e4mpft, vom Vater im Himmel verlassen zu sein. Und hat sich doch einen Dreck darum geschert, was jetzt die anderen \u00fcber ihn denken.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Er war bereit, f\u00fcr uns zu sterben, weil wir aus eigener Kraft nicht aus den b\u00f6sen Wegen herausfinden, in die wir uns verstrickt haben. Er war bereit f\u00fcr uns zu sterben, damit wir Vertrauen zu ihm fassen, damit wir den Mut fassen, umzukehren. Der Vater im Himmel hat sich zu dem bekannt, der unter die Verbrecher gez\u00e4hlt wurde. Der Tod hat ihn nicht l\u00e4nger als drei Tage lang festhalten k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Wei\u00dft Du nicht, dass es Gottes G\u00fcte ist, die Dich zur Umkehr treibt? Wei\u00dft Du nicht, dass der, der seine Ehre aufs Spiel gesetzt hat, es auf Dein Herz abgesehen hat. Wie weit ist Jesus bei Dir und mir schon damit gekommen? Wie weit hat unser Drang, \u00fcber die anderen zu richten und zu urteilen, uns weiterhin im Griff. Wie oft ist Jesus \u00fcber unser st\u00f6rrisches Herz verzeifelt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Ach wenn die anderen doch nur anfangen w\u00fcrden, die Dinge so zu sehen, wie ich sie sehe, dann w\u00e4re alles gut, oder zumindest doch erheblich besser, friedlicher, angenehmer, offener, herzlicher, weniger verbissen, nicht so engstirnig.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Und der g\u00fctige Gott, dessen Langmut wir ein ums andere Mal auf die Probe stellen, fragt Dich und mich: Bist Du bereit, umzukehren? Bist Du bereit, von dem B\u00f6sen zu lassen und zu versuchen, das Gute zu tun? Was h\u00e4lt Dich davon ab, Dir von mir die Kraft dazu zu erbitten? Nicht, dass er den Anderen, die Andere, nicht das Gleiche fragen w\u00fcrde. Aber das kann im Moment, in dem Gott mich fragt, nur ein Ausweichman\u00f6ver sein, nichts, was mich weiterbringt.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Was h\u00e4lt Dich davon ab, Deine gekr\u00e4nkte Eitelkeit mir zu \u00fcberlassen, Deinen angeknackten Stolz?\u201c fragt Jesus. \u201eWas h\u00e4lt Dich davon ab, Dir von mir in Deinem Schmerz um Deine verletzte Ehre beistehen zu lassen? Was hindert Dich daran, mir zu glauben, dass Deine Ehre bei mir in den besten H\u00e4nden ist. Menschen sind in der Lage Deine W\u00fcrde anzutasten und zu gef\u00e4hrden, das ist wahr und das ist schlimm. Aber kein Mensch kann Dir die Ehre nehmen, die ich f\u00fcr Dich erk\u00e4mpft habe, kein Mensch wird mich darin hindern, Dich mit meiner Liebe zu ehren. Du bist nie und niemals ein Nichts. Du bist kein Versager. Mein bist Du.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Indem Du den anderen richtest, richtest Du Dich selbst, indem Du dasselbe tust, was Du an dem anderen richtest. Auf den ersten Blick h\u00f6rt sich das so an, als ginge es in \u201enur\u201c um das Problem, dass Du Dich l\u00e4cherlich, unglaubw\u00fcrdig, machst, wenn Du dasselbe, was Du an anderen verurteilst, selber auch tust. Also, Du wirfst Deinem N\u00e4chsten vor, dass er, sie Dich belogen hat, obwohl Du selbst ihn, sie auch bel\u00fcgst.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Oder: derselbe Spieler, der sich tierisch dar\u00fcber aufregt, dass er so brutal, ohne R\u00fccksicht auf seine Gesundheit gefault wurde, tritt im darauffolgenden Spiel einen anderen Spieler krankenhausreif. Und dann kommt es anschlie\u00dfend zu einer ausgiebigen Mediendebatte dar\u00fcber, was f\u00fcr eine schreckliche Heuchelei das ist. Ich will das nicht kleinreden. Aber ich glaube nicht, dass sich damit unser Predigttext nicht ersch\u00f6pft. Ich glaube auch nicht, dass wir damit schon zum Kern vorgedrungen, zu seiner frohen Botschaft vorgedrungen sind. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Ich musste die ganze Zeit der Vorbereitung an die Gedichtzeile denke, die mich die letzten Jahren sehr besch\u00e4ftigt hat, und die ich nicht nur in der Gemeinde schon des \u00f6fteren zitiert habe: An dem Ort, an dem wir Recht haben, werden niemals Blumen wachsen im Fr\u00fchling. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Ich kann von der Kritik, die ich gegen\u00fcber einem anderen Menschen habe, sehr \u00fcberzeugt sein. Ich kann mir sehr sicher sein, mit dieser Kritik richtig zu liegen. Ich kann in der Lage sein, meine \u00dcberzeugung mit super klaren, aus meiner Sicht v\u00f6llig einleuchtenden Beispielen zu belegen. Ich kann aus meiner Sicht in der Lage sein, sehr schl\u00fcssig darzulegen, warum ich die besseren Argumente auf meiner Seite habe. Ich kann eine Menge anderer Personen auf meiner Seite haben, die die Dinge ganz \u00e4hnlich sehen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Wenn ich glaube, ich w\u00e4re damit schon weg vom B\u00f6ses tun, dann habe ich mich geirrt. Wenn ich glaube, ich h\u00e4tte in meiner \u00dcberzeugung, Recht zu haben, im Recht zu sein, schon angefangen, das Gute zu tun, das in Gottes Augen Gute, das, was mir und dem anderen gut tut, dann bin ich ganz geh\u00f6rig auf dem Holzweg. Ich tue dem anderen nicht dadurch gut, dass ich alle meine Energie darauf verwende, \u00fcber ihn zu urteilen, ihm nachzuweisen, ihn darauf zu nageln, in welchem Ausma\u00df er falsch und ich richtig liege. Ich w\u00fcrde mal vermuten, dass wir alle, die wir hier heute sitzen, mit solchen Versuchen schon schmerzliche und ziemlich frustrierende Erfahrungen gemacht haben. Und wie schnell laufen solche Versuche darauf hinaus, dass wir uns gegenseitig in dem Vorwurf zu \u00fcberbieten versuchen, wer den anderen, die andere mehr verletzt, wer das Vertrauen st\u00e4rker missbraucht hat, wer weniger, wer mehr egoistisch ist. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Wir sind auch noch nicht n\u00e4her bei der Freude des Umkehrens, wenn wir statt Ich habe Recht, und Du hast Unrecht, das ganze umkippen in ein ich habe Unrecht und Du hast Recht, oder indem wir uns auf ein m\u00f6glichst ausgewogenes teils hast Du, teils hab ich Recht zu einigen versuchen. Zur Freude der Umkehr werden wir nur finden, wenn wir uns von Gott helfen lassen, aus diesem System, aus diesem Teufelskreislauf des Richten wollens, des Rechthaben wollens auszubrechen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Wei\u00dft Du nicht, dass es Gottes G\u00fcte ist, die Dich zur Umkehr treibt? <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Ja, das glaube, ich, dass ich Gott gegen\u00fcber, auf der ganzen Linie im Unrecht bin. Ich glaube, dass ich gegen\u00fcber seiner Treue, seiner Liebe zu mir und den anderen Menschen, seiner Entschlossenheit und Beharrlichkeit gegen Rechtsbruch und Ausbeutung vorzugehen, wenig vorzuweisem haben, das ich treulos bin, wenn er treu ist, dass es mir an Liebe fehlt, wo er bedingunslos liebt, dass er gegen das Unrecht k\u00e4mpft, wo ich die H\u00e4nde in den Scho\u00df lege und mich abgefunden habe. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Aber Gott gewinnt mein Herz nicht dadurch, dass er mir das unter die Nase reibt, dass er mich festnagelt auf all das, woran es bei mir fehlt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Er gewinnt mein Herz, indem er sich zu mir bekennt, lange bevor ich das tue, indem Jesus mir Gottes Liebe zeigt, f\u00fcr mich ans Kreuz geht, neues Lebenf\u00fcr mich erk\u00e4mpft, indem er mir sagt, dass er mich im Streit um seine Welt dabei haben will, inndem er mir das zutraut, inde er mich einl\u00e4dt, ihm nachzufolgen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Gegenzeile zum Ort, an dem wir Recht haben, lautet: Zweifel und Liebe aber lockern die Welt auf, wie ein Maulwurf, wie ein Pflug. Zweifel daran, ob und in welchem Umfang ich Recht habe, Zweifel, ob ich nicht auch t\u00e4uschen k\u00f6nnte, ob es nicht noch mal sehr andere Dinge durch den anderen zu h\u00f6ren und zu entdecken gibt, als ich sie bisher wahrgenommen habe. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Und Liebe, die sich auf den schwierig Weg begibt, herauszufinden, was das hier und jetzt hei\u00dfen k\u00f6nnte, etwas, vielleicht sogar das Gute zu tun, dass was eben jetzt angebracht ist, und aus dem unwegsamen Gestr\u00fcpp herausf\u00fchrt. Dazu segne uns Gott mit seiner Gnade<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">Amen.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde! 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