{"id":188,"date":"2014-09-08T16:53:48","date_gmt":"2014-09-08T15:53:48","guid":{"rendered":"http:\/\/refgemvlotho.de\/?p=188"},"modified":"2014-09-08T16:53:48","modified_gmt":"2014-09-08T15:53:48","slug":"predigt-vom-10-8-2014","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/refgemvlotho.de\/?p=188","title":{"rendered":"Predigt vom 10.8.2014"},"content":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde!<br \/>\nWenn Du ein Sklave, eine Sklavin f\u00fcr Gott bist, dann bist Du frei. Mit jedem Schritt, den Du tust, bewegst Du Dich auf das Leben zu. Du erntest Lebensfr\u00fcchte. So mein Versuch, die Worte unseres Predigttextes m\u00f6glichst knapp auf den Punkt zu bringen. Nicht wahr, das ist provozierend, wie Paulus das formuliert hat und davon kannst Du ausgehen, dass er das mit\u00a0 Absicht so provozierend formuliert hat. Damit wir ins stolpern kommen, damit wir nicht wie gehabt im gewohnten Trott schnurstracks weiter laufen, damit wir nicht dar\u00fcber hinweg lesen und seine Worte einfach zum Aufh\u00e4nger nehmen k\u00f6nnen, um an unseren gewohnten Gedanken festzuhalten, damit unsere grauen Zellen in Gang kommen und wir anfangen zu \u00fcberlegen: Ob doch etwas dran ist an dem, was Paulus schreibt?<\/p>\n<p>Ein Sklave, eine Sklavin sein, das ist der Inbegriff von Unfreiheit, oder nicht? \u201eBin ich vielleicht euer Dienstm\u00e4dchen?\u201c fragst Du frage ich emp\u00f6rt. Wie soll sich bitte sch\u00f6n \u201eSklavin-sein\u201c auf \u201efrei sein\u201c reimen? Was verstehst Du unter Freiheit? Wann bist Du frei?<br \/>\nWenn Du in einer gl\u00fccklichen Beziehung lebst? Wenn Du gesund bist?<br \/>\nWenn Du keine Schulden bei der Bank oder bei Freunden hast? Wenn Du an der Spitze der Leiter angekommen bist und Dir niemand mehr Vorschriften machen kann? Gibt es dass, muss nicht selbst Lionel Messi auf das h\u00f6ren, was sein Trainer ihm sagt? Bist Du frei, wenn Du \u00fcber die Anzahl Deiner Urlaubstage im Jahr selbst entscheidest, wenn es keine Frage des Geldes ist, wohin Du in Urlaub f\u00e4hrst und wie lange Du bleibst? Bist Du frei, wenn niemand Dich kritisiert, wenn alle Dir zu F\u00fc\u00dfen liegen? Bist Du frei, wenn niemand Dir vorschreibt, wann Du ins Bett zu gehen hast und wann Du aufstehst sollst? Bist Du frei, wenn Du jedem Streit aus dem Weg gehst?<br \/>\nPaulus sagt: Es gibt nur zwei Alternativen. Es gibt keine tausend M\u00f6glichkeiten, frei zu sein. Es gibt noch nicht mal drei Alternativen, zwischen denen Du w\u00e4hlen k\u00f6nntest, es gibt nur diese zwei:<br \/>\nEntweder Du bist Gottes Sklave oder Du bist ein Sklave der S\u00fcnde. Wenn Du das nicht willst, wenn Du Dich dagegen str\u00e4ubst, wenn Dir das zuwider ist, Gottes Sklavin zu sein, wer sollte Dich dazu zwingen. Gott ist der allerletzte, der Dich dazu zwingen wird. Gott hat Null Interesse an Menschen, die nur gezwungenerma\u00dfen gemeinsame Sache mit ihm machen. Abraham, Mose, Ruth, Maria, Petrus, Paulus sie sind alle aus freien St\u00fccken mitgekommen. Oder sollten wir lieber sagen: Sie haben sich ohne irgendwelche Bedingungen zu stellen in den Dienst dieses Gottes begeben, oder sollten wir lieber sagen: sie hatten nichts, was sie der \u00dcberzeugungskraft Gottes entgegensetzen sollten, Gottes \u00dcberzeugungskraft war zu stark f\u00fcr sie.<br \/>\nAber wie gesagt: Gott zwingt uns nicht. Er f\u00e4llt uns nicht in den Arm, wenn Du und ich es anders halten, wenn wir uns partout weigern, Sklaven und Sklavinnen Gottes und damit Sklaven und Sklavinnen der Gerechtigkeit zu sein, dann haben wir uns schon f\u00fcr die zweite Alternative entschieden: dann sind wir Sklaven und Sklavinnen der S\u00fcnde, ob uns das passt oder nicht, ob wir das glauben oder nicht. Dann haben wir uns den Tod schon ins Haus geholt, mitten hinein in unser t\u00e4gliches Leben, schon bevor wir unseren letzten Atemzug tun, schon bevor unser Herz stehen bleibt und unsere Gehirnstr\u00f6me zum Erliegen kommen.<br \/>\nAch wenn es beim S\u00fcnder-Sein blo\u00df um etwas so harmloses und albernes ginge wie ein, zwei oder meinetwegen auch drei St\u00fccke Sahnetorte mehr oder weniger. S\u00fcndigen ist alles andere als harmlos. Wenn wir s\u00fcndigen, Du und ich treibe wir Raubbau an unseren Lebenskr\u00e4ften. Eine Sklavin, ein Sklave der S\u00fcnde sein, das hat erst mal herzlich wenig damit zu tun, ob andere Dein Verhalten moralisch oder unmoralisch finden. S\u00fcndigen oder nicht, das ist im Kern keine Frage der Moral, wenigstens nicht, was den Ausgangspunkt betrifft.<br \/>\nS\u00fcndigen, das ist alles, was ich aus der Angst, aus dem Gef\u00fchl, aus den Gedanken heraus tue, dass es nicht reicht, dass es f\u00fcr mich nicht reicht, dass es f\u00fcr mich alleine nicht reicht, dass ich zu kurz komme, dass ich nicht auf meine Kosten komme oder wie immer Du das ausdr\u00fccken willst.<br \/>\nS\u00fcnde, das ist die Angst, \u00fcbersehen zu werden, die Sorge, dass die anderen Dir nicht den n\u00f6tigen Respekt entgegen bringen. S\u00fcnde, das ist die Angst davor, Fehler zu machen, die Sorge, darum, dass die anderen Deine Fehler mitbekommen und was sie dann wohl \u00fcber Dich denken werden, wenn Du den sch\u00f6nen Schein nicht aufrechterhalten kannst.<br \/>\nS\u00fcnde, das ist die Angs: t, von Deiner Frau, von Deinem Mann nicht genug geliebt zu werden. Es ist die nur zu verst\u00e4ndliche Angst Deinen Arbeitsplatz zu verlieren, an eine j\u00fcngere Person, an jemanden, der besser qualifiziert ist als Du oder einfach, weil die leitenden Angestellt in Deinem Betrieb die n\u00e4chste Stufe der technischen Entwicklung verpasst haben.<br \/>\nS\u00fcnde, das ist der Zweifel, dass die Gaben, die Gott gerade Dir anvertraut hat, gute, wunderbare Gaben sind. Das ist Deine Unzufriedenheit, Deine neidischen Gedanken: warum hat er andere so reichlich mit den Gaben ausgestattet, von denen ich immer getr\u00e4umt habe, und mir dieselben vorenthalten?<br \/>\nS\u00fcnde, das ist die Panik, uns nicht verwirklichen, unsere M\u00f6glichkeiten nicht voll ausreizen zu k\u00f6nnen, weil die Umst\u00e4nde es nicht erlauben, weil Deine Lebenszeit viel zu kurz ist, um all das umzusetzen, was Du Dir vorgenommen hast.<br \/>\nS\u00fcnde, das ist Deine Sorge, das Wichtigste im Leben zu verpassen, die Sorge, dass die Musik immer woanders spielt, und Du bist nicht dabei. S\u00fcnde ist alles in Deinem Tun, was dazu beitr\u00e4gt, dass die Mauer zwischen Dir und den anderen Menschen w\u00e4chst. S\u00fcnde ist das, womit Du Dich einkapselst, Deine ausgefahrenen Stacheln, das,, womit Du es den anderen schwer machst, einen Zugang zu Dir zu finden, zu Deinen Gedanken, zu Deinen Gef\u00fchlen, zu Deinem Herz.<br \/>\nS\u00fcnde, das ist Deine Angst vor den anderen, vor dem, was Dich an Ihnen befremdet, was Du nicht verstehen, was Du in Dein eigenes System nicht einordnen kannst. Und es ist auch Deine Sorge wegen dem, worin Du glaubst, dass sie Dir \u00fcberlegen sind. S\u00fcnde ist, dass Du \u00fcberhaupt solche Schubladen angelegt hast, in denen die einen den anderen \u00fcberlegen sind.<br \/>\nS\u00fcnde ist das, womit Du Dich selbst einsam machst. S\u00fcnde ist kein moralischer Defekt. S\u00fcnde ist nichts, was sich mit ein bisschen Willensanstrengung absch\u00fctteln l\u00e4sst. Du k\u00f6nntest sie etwas zutiefst Menschliches nennen, etwas was uns allen nur zu verst\u00e4ndlich und vertraut ist. Nur bist Du der S\u00fcnde dann schon auf den Leim gegangen, weil Du sie wie etwas Unab\u00e4nderliches behandelst, wie etwas, gegen das kein Kraut gewachsen ist.<br \/>\nNur bist Du dann schon im Begriff, Deinen Gott L\u00fcgen zu strafen, Dich ihm in den Weg zu stellen, ihm, der die S\u00fcnde hasst. Dein Gott hasst die S\u00fcnde von Herzen weil er sieht, dass sie Dein Leben zerst\u00f6rt, dass sie den Tod in Dein Leben bringt. Das kann er nicht, das bringt er einfach nicht fertig, dass er Dir dabei tatenlos zusieht.<br \/>\nDu und ich, wir kommen mit unseren Kr\u00e4ften gegen die Macht der S\u00fcnde nicht an. Wir stecken unter ihrer Fuchtel und merken es oft nicht. Wir dienen ihr. Wir machen uns zu ihren Sklaven und Sklavinnen.<br \/>\nEs gibt nur die eine Alternative: Entweder ich bin ein Sklave der S\u00fcnde, ein Sklave meiner Sorge um mich selbst. Oder ich bin Gottes Sklave, eine Sklavin seiner Gerechtigkeit, ein Sklave von Gottes Sehnsucht nach Gemeinschaft mit uns Menschen, eine Sklavin, von Gottes Sehnsucht, unsere Trennungen zu \u00fcberwinden, seiner Sehnsucht, unsere selbstgemachten Einsamkeiten zu \u00fcberwinden und uns zusammen zu bringen.<br \/>\nGottes Sklavin, eine Sklavin seiner Sehnsucht nach Gemeinschaft mit uns zu sein, dass bedeutet, frei zu werden, mir von Gott dienen zu lassen, dass bedeutet, mir von ihm die Augen \u00f6ffnen zu lassen, dass wir einen Gott haben, der sich selbst f\u00fcr uns zum Knecht gemacht hat, einen Gott, der aus dem Himmel herabgestiegen ist, weil ihm die Schreie seiner in \u00c4gypten versklavten Kinder in den Ohren gegellt haben und er ihre Sache zu seine Sache gemacht und dabei ihn Kauf genommen hat, sich die H\u00e4nde schmutzig zu machen.<br \/>\nSklave Gottes sein, bedeutet frei werden, sich von dem Gott dienen zu lassen, der alle Sorge um sich selbst hat sausen lassen, der zittert, wenn wir zittern, der mit uns wacht, wenn wir keinen Schlaf finden.<br \/>\nEs bedeutet frei werden f\u00fcr den Gott, der nicht bei sich bleibt, der sich auf den Weg zu den ihm Fremdenuns macht, der sich nicht durch das abwimmeln l\u00e4sst, was ihn zutiefst an uns befremdet. Es bedeutet frei werden f\u00fcr den Gott, der uns dient, der f\u00fcr seinen eingeborenen Sohn die Niedrigkeit w\u00e4hlt, die Unscheinbarkeit, der es riskiert, auf diesem Weg verkannt, verwechselt, als naiv bel\u00e4chelt zu werden.<br \/>\nEs bedeutet, sich von dem dienen zu lassen, der um unseretwillen f\u00fcr sich die Schwachheit gew\u00e4hlt hat, den Spott und die Schmerzen, um uns stark, um uns reich zu machen, reich an Vergebung. Es bedeutet, sich von dem dienen zu lassen, dessen Sohn alle Sorge sein Leben zu verpassen, hat fahren zu lassen und sein Leben um unseretwillen hher geschenkt hat, der vor seiner Todesangst nicht gefl\u00fcchtet ist, sondern sie f\u00fcr uns durchgestanden hat, damit wir leben k\u00f6nnen, damit der Tod keine Macht mehr an uns hat.<br \/>\nHerr mache uns frei, dass wir uns trauen, uns von Dir ganz in Beschlag nehmen zu lassen. Mach Du uns frei, uns von Dir dienen zu lassen.<br \/>\nAmen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Gemeinde! Wenn Du ein Sklave, eine Sklavin f\u00fcr Gott bist, dann bist Du frei. Mit jedem Schritt, den Du tust, bewegst Du Dich auf das Leben zu. Du erntest Lebensfr\u00fcchte. 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