{"id":1261,"date":"2020-09-04T14:40:04","date_gmt":"2020-09-04T13:40:04","guid":{"rendered":"http:\/\/refgemvlotho.de\/?p=1261"},"modified":"2020-09-04T14:40:04","modified_gmt":"2020-09-04T13:40:04","slug":"predigt-zum-23-08-2020-vom-ewigen-sich-vergleichen-loskommen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/refgemvlotho.de\/?p=1261","title":{"rendered":"Predigt zum 23.08.2020 Vom ewigen sich Vergleichen loskommen"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #0000ff;\">Lukas 18,9-14<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">9 Er sagte aber zu einigen, die auf sich selbst vertrauten, gerecht zu sein<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">und verachteten die andern, dies Gleichnis:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">der eine ein Pharis\u00e4er, der andere ein Z\u00f6llner.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">11 Der Pharis\u00e4er stand aufrecht f\u00fcr sich und betete so:<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">R\u00e4uber, Betr\u00fcger, Ehebrecher oder auch wie dieser Z\u00f6llner.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">13 Der Z\u00f6llner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, eher als jener.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">Denn wer sich selbst erh\u00f6ht, der wird erniedrigt werden;<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #0000ff;\">Und wer sich selbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht werden.<\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft  wp-image-1262\" src=\"http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/sich-vergleichen-Lk-189-14-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"365\" height=\"243\" srcset=\"http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/sich-vergleichen-Lk-189-14-300x200.jpg 300w, http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/sich-vergleichen-Lk-189-14-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/sich-vergleichen-Lk-189-14-768x512.jpg 768w, http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/sich-vergleichen-Lk-189-14-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/sich-vergleichen-Lk-189-14-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gemeinde!<br \/>\nJesus nimmt das wahr, wenn wir auf uns selbst vertrauen, dass, wir gerecht sind und die anderen verachten.<br \/>\nEr liest das in unseren Gedanken,<br \/>\nin unserem Gesichtsausdruck.<br \/>\nEr merkt es an dem Tonfall, in dem wir reden.<br \/>\nEr nimmt es daran wahr, wie wir uns verhalten.<br \/>\n\u201eAber\u201c, fragt Ihr mich, wieso sagst Du \u201ewir\u201c?<!--more--><br \/>\nJesus hat doch nur von einigen gesprochen,<br \/>\ndie auf sich selbst vertrauen, dass sie gerecht sind und die anderen verachten.<br \/>\nWenn ich Jesus zuh\u00f6re, dann fallen mir viele Situationen ein, in denen es bei mir so ist:<br \/>\nIch halte mich selber f\u00fcr gerecht, ich glaube, dass ich gerecht denke, gerecht handle, gerecht empfinde und ich verachte die anderen, weil sie das im Vergleich zu mir in deutlich geringerem Ausma\u00df sind.<br \/>\nIch hab gedacht, dass Euch das \u00e4hnlich geht wie mir, und deshalb habe ich \u201ewir\u201c gesagt.<br \/>\nHab ich mich da get\u00e4uscht?<br \/>\nIhr findet, dass \u201everachten\u201c ein sehr krasser Ausdruck ist?<br \/>\nDas stimmt. Das finde ich auch.<br \/>\nIch h\u00e4tte das anders formuliert.<br \/>\nIch h\u00e4tte eher gesagt: Ich halte mich f\u00fcr gerecht<br \/>\nund ich halte mich f\u00fcr besser als die anderen,<br \/>\nich f\u00fchle mich ihnen \u00fcberlegen.<br \/>\nOkay, nat\u00fcrlich nicht generell,<br \/>\nnicht in jeder Hinsicht,<br \/>\naber in dieser speziellen Situation schon.<br \/>\nIch h\u00e4tte von mir aus nicht gesagt:<br \/>\nIch verachte die anderen.<br \/>\nGibt\u2019s da einen Unterschied zwischen jemanden verachten und sich jemandem \u00fcberlegen f\u00fchlen?<br \/>\nOder bringt Jesus nur auf den Punkt,<br \/>\nwas ich mich geniere auszusprechen,<br \/>\nwas ich mich sch\u00e4me, zuzugeben?<br \/>\nEin Gl\u00fcck, dass ich nicht eine von denen bin, die sich dauernd bei unserer Mathe-Lehrerin einschleimen. Ein Gl\u00fcck, dass ich nicht so hirnlos daherrede, wie diese zwei arroganten Zicken, die nur noch \u00fcber ihre Pumps mit darauf gespr\u00fchtem Namen und ihrem Swimmingpool auf Mallorca faseln.<br \/>\nSo kleinkariert und erbsenz\u00e4hlerisch, so stur, so unflexibel werde ich garantiert nie werden!<br \/>\nWenn ich so einen grausamen Musikgeschmack h\u00e4tte, w\u00fcrde ich mich sofort erschie\u00dfen.<br \/>\nIch w\u00fcrde mich sch\u00e4men, mich mit so ner Predigt auf die Kanzel zu wagen. Ein Gl\u00fcck, dass ich nicht so jemand bin, der f\u00fcr die anderen immer gleich einen guten Ratschlag parat hat, ein Gl\u00fcck, dass es mir leicht f\u00e4llt, meinem Gegen\u00fcber erst mal einfach zuzuh\u00f6ren.<br \/>\nIst doch kein Wunder, dass die Probleme mit ihren Kindern bekommen haben, mussten ja unbedingt beide arbeiten, damit sie sich zwei Autos leisten k\u00f6nnen.<br \/>\nIch schufte mich zu Tode und komm auf keinen gr\u00fcnen Zweig, und die bekommen alles vom Staat hinterher geworfen!<br \/>\nWie kann jemand blo\u00df sovergesslich sein!<br \/>\nDie meinen, sie w\u00e4ren gl\u00fccklich, wenn sie die halbe Welt bereisten,<br \/>\ndie haben \u00fcberhaupt keine Ahnung, was es bedeutet, krank zu sein, die wissen gar nicht, was wirklich wichtig ist im Leben.<br \/>\nAll dieseSpr\u00fcche, das klingt geh\u00f6rig nach Verachtung oder wie willst Du das sonst nennen?<br \/>\nSicher, es bricht nicht immer so grob und mit Absicht verletzend aus uns raus.<br \/>\nWas selbstgerechtes und ver\u00e4chtliches Reden \u00fcber andere betrifft, k\u00f6nnen wir auch sehr geschickte Verpackungsk\u00fcnstler*innen sein.<br \/>\nMag sein, es gelingt uns f\u00fcr eine Weile, den Kern unserer Worte so gut in Watte zu verpacken, dass wir die anderen eine Zeitlang damit t\u00e4uschen k\u00f6nnen.<br \/>\nMag sein, es gelingt uns eine Weile, uns selbst etwas vorzumachen, und wir merken gar nicht, wie ver\u00e4chtlich das klingen muss, wenn wir uns dar\u00fcber aufregen, wie ver\u00e4chtlich andere \u00fcber abwesende dritte Personen herziehen.<br \/>\nUnseren Gott t\u00e4uschen wir sowieso mit nichts von dem.<br \/>\nF\u00fcr ihn ist nicht nur jeder unserer Gedanken ein aufgeschlagenes Buch. Er kennt auch das ganze B\u00fcndel von Gr\u00fcnden, warum wir etwas tun, warum wir etwas unterlassen, oft lange, bevor selbst etwas davon schecken.<br \/>\nUnd die anderen? Es dauert nicht so lange, bis sie uns auch auf die Schliche kommen.<br \/>\nAuch sie sp\u00fcren unsere Selbstgerechtigkeit und unsere arrogante Haltung oft schneller und deutlicher als wir selbst das tun, als wir das selbst wahr haben wollen.<br \/>\nOkay sagst Du, aber ich bin doch nicht durch die Bank soselbstgerecht, so ver\u00e4chtlich gegen\u00fcber andern. Es stimmt ja, wenn ich mich mal obenauf f\u00fchle, dann passiert das ganz leicht, dass das bei mir in \u00dcberheblichkeit, in Arroganz umschl\u00e4gt, in so ein unterschwelliges Gef\u00fchl, den anderen \u00fcberlegen zu sein.<br \/>\nAber: wie br\u00fcchig ist das. Wie leicht, wie schnell und wie krass kann das ins Gegenteil umschlagen.<br \/>\nDann bin ich \u2013 manchmal innerhalb k\u00fcrzester Zeit \u2013 total verunsichert, krieg die Z\u00e4hne nicht auseinander, m\u00f6chte mich am liebsten in ein Mauseloch verkriechen, sch\u00e4me mich f\u00fcr das, was ich gedacht, gesagt, getan habe.<br \/>\nJa, antworte ich Dir. Das kenne ich nur zu gut. Und wenn ich jetzt einige von Ihnen, von Euch die Stirn runzeln und \u00fcberlegen: in was f\u00fcr einen Haufen von Superempfindlichen bin ich da geraten, sei\u2019s drum. Es ist so. Ich kenne diese pl\u00f6tzlichen Umschw\u00fcnge zwischen innerer \u00dcberheblichkeit und sich soo-klein-und besch\u00e4mt f\u00fchlen nur zu gut.<br \/>\nDas ist ja gerade das Elend, wie schnell das von einem Extrem ins andere und wieder zur\u00fcck kippen kann. Man wei\u00df gar nicht, was da passiert.<br \/>\nDabei bin ich ein und dieselbe Person, die so hochm\u00fctig und so kleinlaut ist, dieselbe Person, die das eine und das andere denkt, tut, f\u00fchlt und niemand anderen daf\u00fcr verantwortlich machen kann.<br \/>\nJesus nimmt das wahr, wenn wir auf uns selbst vertrauen, dass wir gerecht sind und die anderen verachten.<br \/>\nEr liest das in unseren Gedanken,<br \/>\nin unserem Gesichtsausdruck.<br \/>\nEr merkt es an dem Tonfall, in dem wir reden.<br \/>\nEr nimmt es daran wahr, wie wir uns verhalten.<br \/>\nEs missf\u00e4llt ihm. Wie sollte es ihm auch gefallen? Er sieht ja, was f\u00fcr ein Schaden daraus entsteht: f\u00fcr die anderen und f\u00fcr uns selbst.<br \/>\nJesus entr\u00fcstet sich nicht \u00fcber uns.<br \/>\nEr raunzt uns nicht an. Er erz\u00e4hlt uns ein Gleichnis.<br \/>\nEs handelt von einem Pharis\u00e4er und einem Z\u00f6llner.<br \/>\nWie oft hat Jesus mit welchen von den Pharis\u00e4ern lebhaft diskutiert, heftig gestritten. Nicht von ungef\u00e4hr gerade so viel mit den Pharis\u00e4ern.<br \/>\nEs ist die Gruppe unter seinen j\u00fcdischen Landsleuten die ihm in dem, was sie lehren, am \u00e4hnlichstenist.<br \/>\nMit wem l\u00e4sst es sich fruchtbarer streiten als mit Menschen, mit denen man viele Ber\u00fchrungspunkte hat.<br \/>\nEin Pharis\u00e4er und ein Z\u00f6llner.<br \/>\nSie haben beide das gleiche Ziel.<br \/>\nSie wollen hinauf zum Zionsberg, dorthin,<br \/>\nwo der Tempel steht,<br \/>\num zu beten, um Gottes Angesicht zu suchen.<br \/>\nDer Pharis\u00e4er betet im Stehen, so wie wir das im Gottesdienst auch tun.<br \/>\nEr tritt seinem Gott in Augenh\u00f6he gegen\u00fcber. Gott will keine Duckm\u00e4user.<br \/>\nUnser Gott lehrt uns,aufrecht zu gehen, R\u00fcckgrat zu zeigen?<br \/>\nEr betet bei sich selbst. Er betet nicht laut, um von anderen geh\u00f6rt zu werden.<br \/>\nGebet ist Gespr\u00e4ch mit Gottund nicht mit anderen Menschen.<br \/>\nDer Pharis\u00e4er beginnt sein Gebet mit: \u201eIch danke dir\u201c. Und was er dann aufz\u00e4hlt, k\u00f6nnte man mit dem Satz umschreiben: Danke f\u00fcr das, was du aus mir gemacht hast.<br \/>\nEs ist nicht mein Verdienst, es ist nicht meine Entscheidung, dass ich heute hier im Tempel stehe und bete.<br \/>\nIch verdanke das nicht meiner Willenskraft.<br \/>\nDu hast meine Schritte hierher gelenkt.<br \/>\nDein Geist hat mich getrieben. Ginge es allein nach mir, ich w\u00e4re auch so ein Mensch, der mit seinem Leben deinen Namen in den Schmutztritt.<br \/>\nWenn ich das, was Du willst, gerne tue,ungezwungen, aus freien St\u00fccken, nicht aus Angst vor Strafe:<br \/>\nDu bist es, der das fertigbringt, und daf\u00fcr danke ich Dir.<br \/>\nDas ich loslassen kann, statt mich an meinen Besitz zu klammern, dass die Angst weg ist, ich k\u00f6nnte zu kurz kommen, da w\u00e4re nicht genug f\u00fcr mich selber da: Das hast Du fertig gebracht.<br \/>\nDurch Dich bin ich frei, abzugeben und mit anderen zu teilen.<br \/>\nDanke daf\u00fcr, dass tut gut. Ich bin so froh, dass du mir diese bl\u00f6de Angst genommen hast.<br \/>\nWas kann Gott an diesem Gebet blo\u00df st\u00f6ren?<br \/>\nNur das eine: der Pharis\u00e4er schafftes nicht, Gott Danke zu sagen, ohne diese Vergleiche mit einzubauen.<br \/>\nEr kommt beim Danke sagen nicht aus dem Zwang raus, sich von anderen abzugrenzen:<br \/>\nIch danke dir, dass ich nicht bin wie die anderen Menschen.<br \/>\nEr betet nicht: ich danke dir Gott, dass du meine Frau und mich durch H\u00f6hen und Tiefen begleitet hast, wenn wir gl\u00fccklich waren und wenn wir gestritten haben, sondern er betet:<br \/>\nIch dankeDir, dass ich nicht wie mein Nachbar meine Frau betrogen habe,<br \/>\nich danke dir, dass ich meine Frau mit den Kindern nicht hab sitzen lassen.<br \/>\nHast Du, hab ich schon mal so gebetet:<br \/>\nIch dankeDir, dass ich nicht f\u00fcr Geld zu kaufen bin wie viele unserer Bundestagsabgeordneten.Ich danke dir, dass ichnicht so herzlos zu der syrischen Familie bin wie die russische Frau, die mit ihnen unter einem Dach wohnt?\u201c<br \/>\nSoweit ich mich erinnern kann: Nein.<br \/>\nWas wiegt wohl in Gottes Augen schwerer: Wenn ich mich wie der Pharis\u00e4er bei Gott daf\u00fcr bedanke, dass er mich davor bewahrt hat, ein R\u00e4uber, ein Ehebrecher, ein Betr\u00fcger wie dieser Z\u00f6llner zu sein oder wenn mich in Gedanken vor mir selbst, in Worten und Taten vor anderen damit br\u00fcste, was f\u00fcr ein toller Hecht ich bin:<br \/>\nEin Gl\u00fcck, dass ich nicht so auf dem hohen Ross sitze.<br \/>\nEin Gl\u00fcck, dass ich mit meinem Christsein nicht wie andere hausieren gehe,<br \/>\nein Gl\u00fcck, dass ich in der Lage bin, Kritik anzunehmen, zuzugeben, dass ich Mist gebaut habe. n<br \/>\nEin Gl\u00fcck, dass ich meine H\u00e4nde nicht in Unschuld wasche, dass ich mir die Frage stelle, wo mein Anteil liegt, an dem, was zwischen uns, schief l\u00e4uft.<br \/>\nGut, dass ich nicht so selbstgerecht wie die anderen bin.<br \/>\nIch wei\u00df, wie tief dieser Hang zum Vergleichen in mir steckt.<br \/>\nIch wei\u00df, wie stark der Wunsch in mir ist, ein guter Mensch sein zu wollen, einer der daf\u00fcr geliebt wird.<br \/>\nUnd ich sehne mich danach, von dieser Vergleichereiloszukommen?<br \/>\nDer andere Mensch, der sich zum Tempel aufmacht, um zu beten, ist ein Z\u00f6llner.<br \/>\nEr wei\u00df, dass die anderen ihn wegen seiner beruflichen Betr\u00fcgereienverachten.<br \/>\nEr sp\u00fcrt, was in ihren K\u00f6pfenabgeht, wenn sie seinetwegen die Stra\u00dfenseite wechseln. Es ist leicht, ihre Gedanken zu lesen: R\u00f6merknecht, Verr\u00e4ter, mieser kleiner Betr\u00fcger, Abzocker.<br \/>\nUnd er kann die Leute verstehen, sie haben ja Recht.<br \/>\nEs f\u00e4llt ihm doch selbst schwer, sich morgens in den Spiegel zu sehen.<br \/>\nDer Z\u00f6llner wagt sich nicht bis ins Zentrum des Tempels vor. Er h\u00e4lt geb\u00fchrenden Abstand.<br \/>\nEr wagt sich, obwohl er doch auch Jude ist wie der Pharis\u00e4er.<br \/>\nEr traut sich nicht, mit den Augen nach oben zum Himmel zu sehen. Sein Blick klebt am Boden.<br \/>\nEr schl\u00e4gt sich an seine Brust, an sein Herz, wie es sonst nur trauernde Frauen tun.<br \/>\nSein Gebet ist ganz kurz. Es besteht nur aus einem Sto\u00dfseufzer: Gott, sei mir, dem S\u00fcnder gn\u00e4dig!<br \/>\nHabt Ihr noch Jesu Kommentar am Schluss seiner Geschichte im Ohr:<br \/>\nIm Unterschied zu dem Pharis\u00e4er ging der Z\u00f6llner gerechtfertigt in sein Haus zur\u00fcck,<br \/>\nbefreit von der Last, mit der er sich den Tempelberg hinaufgeschleppt hat,<br \/>\nmit neuem Mut, den Menschen in die Augen zu sehen,<br \/>\nmit neuer Energie, sich nicht weiter treiben zu lassen, sondern seinem Leben eine andere Richtung zu geben?<br \/>\nVergebung bleibt nicht ohne Folgen. Vergebung ver\u00e4ndert, Vergebung befreit.<br \/>\nSie weckt in Dir eine Freude und Zuversicht, die du nicht mehr f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4ttest.<br \/>\nDu hast keine Lust mehr, die Alte zu bleiben, weil Du nicht mehr die Alte bist.<br \/>\nJesus sagt: Jeder, der sich selbst erh\u00f6ht, wird erniedrigt werden. Der, der sich selbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht werden.<br \/>\nH\u00f6rt auf, euch mit anderen zu vergleichen!<br \/>\nGrenzt euch nicht von den anderen ab!<br \/>\nDas vergiftet nur euer Leben.<br \/>\nTraut euch, mit leeren H\u00e4nden vor euren Gott zu treten! Lasst euch beschenken!<br \/>\nDarauf liegt Segen! Das macht euch heil!<br \/>\nWas bringt uns dazu, zu beten: Herr, sei mir, dem S\u00fcnder gn\u00e4dig?<br \/>\nWie schrecklich, wenn das nur ne fromme Masche, nur die Bitte um die Erlaubnis w\u00e4re, mit Gottes Segen alles beim Alten zu belassen und mit allem so weiter zu machen!<br \/>\nBraucht es, um so schlicht und aufrichtig zu beten, braucht es, um sich von Gott beschenken zu lassen, die Erfahrungen des Z\u00f6llners?<br \/>\nM\u00fcssen wir dazu selbst die Erfahrung gemacht haben, wie das ist, geschnitten,angegiftet, wie der letzte Dreck behandelt zu werden?<br \/>\nUnd wie wird es dem Z\u00f6llner gehen, wenn er das n\u00e4chste Mal in den Tempel kommt, um sich bei Gott daf\u00fcr zu bedanken, was sich in seinem Leben ge\u00e4ndert hat?<br \/>\nWird er dann \u00e4hnlich beten, wie vorher der Pharis\u00e4er: Gott ich danke dir, dass ich nicht mehr so bin wie meine fr\u00fcheren Z\u00f6llnerkollegen, die noch immer die Leute \u00fcbers Ohr hauen?<br \/>\nWas bewahrt denZ\u00f6llner, was bewahrt uns davor, immer von neuem in die Falle der ewigen Vergleicherei mit anderen zu tappen.<br \/>\nWir selbst werden es nicht schaffen, uns davor zu bewahren, so viel ist sicher.<br \/>\nNiemand wird uns davor bewahren, wenn nicht unser Herr selbst, der uns dieses Gleichnis erz\u00e4hlt.<br \/>\nNur der, der uns anspricht, der uns sein Wort g\u00f6nnt, der, der uns nicht f\u00fcr hoffnungslose F\u00e4lle h\u00e4lt, sondern der uns seiner Kritik f\u00fcr w\u00fcrdig h\u00e4lt, nur der bewahrt uns vor der Falle unserer ewigen Vergleicherei mit anderen.<br \/>\nEr, der uns nicht verachtet, er, der keinen Gefallen daran hat, besser zu sein als wir, er, der nicht f\u00fcr sich selbst beansprucht, gut zu sein, sondern der alle Ehre dem Vater gegeben hat,er, nur er holt uns aus dieser Falle heraus.<br \/>\nEr tut das, der sich nicht zu schade war, wie ein Verbrecher behandelt zu werden, obwohl er unschuldig war.<br \/>\nEr; Jesus, unser Herr, der uns liebt, der wird den Vater im Himmel bitten, dass er unser stolzes, eitles, \u00e4ngstliches und um unser Ansehen besorgtes Herz heilt,<br \/>\ndamit wir in rechter Weise dem\u00fctig werden,<br \/>\ndamit wir den Blick heben lernen, ohne nach unten oder zur Seite zu treten,<br \/>\ndamit wir als freie, beschenkte Menschen leben k\u00f6nnen.<br \/>\nDer Vater im Himmel wird Jesu Bitte f\u00fcr uns erh\u00f6ren. Darauf lasst uns vertrauen!<br \/>\nAmen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lukas 18,9-14 9 Er sagte aber zu einigen, die auf sich selbst vertrauten, gerecht zu sein und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharis\u00e4er, der andere &hellip; <a href=\"http:\/\/refgemvlotho.de\/?p=1261\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/refgemvlotho.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1261"}],"collection":[{"href":"http:\/\/refgemvlotho.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/refgemvlotho.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/refgemvlotho.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/refgemvlotho.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1261"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/refgemvlotho.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1261\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1263,"href":"http:\/\/refgemvlotho.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1261\/revisions\/1263"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/refgemvlotho.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1261"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/refgemvlotho.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1261"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/refgemvlotho.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1261"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}