{"id":1251,"date":"2020-07-26T12:07:05","date_gmt":"2020-07-26T11:07:05","guid":{"rendered":"http:\/\/refgemvlotho.de\/?p=1251"},"modified":"2020-07-26T12:09:36","modified_gmt":"2020-07-26T11:09:36","slug":"2020-07-26-hebraeer-131-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/refgemvlotho.de\/?p=1251","title":{"rendered":"2020, 07, 26, Hebr\u00e4er 13,1-3"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #0000ff;\">1 Die Liebe zu den Geschwistern soll bleiben<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">2 Vergesst nicht die Liebe zu den Fremden, \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0 denn durch sie haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbegt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #0000ff;\">Denkt an die Gefangenen als ihre Mitgefangene\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 und an die Misshandelten als solche, die selber einen K\u00f6rper haben.<\/span><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-1252\" src=\"http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/zu-Hebr\u00e4er-131-3-300x139.jpg\" alt=\"\" width=\"503\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/zu-Hebr\u00e4er-131-3-300x139.jpg 300w, http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/zu-Hebr\u00e4er-131-3-1024x473.jpg 1024w, http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/zu-Hebr\u00e4er-131-3-768x355.jpg 768w, http:\/\/refgemvlotho.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/zu-Hebr\u00e4er-131-3.jpg 1242w\" sizes=\"(max-width: 503px) 100vw, 503px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer ist Gott f\u00fcr Dich?<\/p>\n<p>Was macht f\u00fcr Dich sein Wesen aus?<\/p>\n<p>Im Vers unmittelbar vor unserem Text steht:<\/p>\n<p>Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer?<\/p>\n<p>Hast Du Gott in Deinem Leben schon als ein verzehrendes Feuer erlebt?<!--more--><\/p>\n<p>Wenn ja, bist Du dar\u00fcber erschrocken?<\/p>\n<p>Oder f\u00fchlst\u00a0 Du Dich auch angezogen von dem, was da in unserem Gott brennt?<\/p>\n<p>Kennst Du ihn als den, der all das ersch\u00fcttert und ins Wanken\u00a0 bringt, was Menschen f\u00fcr heilig und unab\u00e4nderlich erkl\u00e4rt haben?<\/p>\n<p>Und glaubst Du das: Er bewirkt all diese Ersch\u00fctterungen nur deshalb, damit Du erkennst, was allein Deinen unsicheren\u00a0 Schritten Festigkeit und Halt verleiht?<\/p>\n<p>Was wei\u00dft Du von der Hoffnung, die\u00a0 sich nicht beirren l\u00e4sst, von der Hoffnung auf\u00a0 unseren Gott, die niemand von denen, die ihr folgen, zuschanden\u00a0 werden l\u00e4sst?<\/p>\n<p>Worin hat Gott Dich dazu gebracht, Dein\u00a0 Vertrauen zu riskieren, fest mit dem zu rechnen, was f\u00fcr Deine\u00a0 Augen noch unsichtbar ist; Dein Vertrauen zu riskieren allein auf sein Wort hin, um schon hier und jetzt N\u00e4gel mit K\u00f6pfen zu machen?<\/p>\n<p>Kennst\u00a0 Du unseren Gott als Deinen Helfer, der Dich mitten im gr\u00f6\u00dften Aufruhr ruhig macht und Du Deine Angst vor anderen Menschen verlierst?<\/p>\n<p>Was Sie auch tun, was Sie auch sagen, sie werden Deinen Gott nicht dazu bringen, von Deiner Seite zu weichen.<\/p>\n<p>Wer ist Gott f\u00fcr\u00a0 Dich? Welche Rolle spielt dabei f\u00fcr Dich das Wort Gnade? Spielt es eine Rolle?<\/p>\n<p>Gott ist den anderen nicht weniger gn\u00e4dig als Dir. Er ist Dir nicht\u00a0 weniger gn\u00e4dig als den anderen. Sind das f\u00fcr Dich nichts als abgegriffene Formeln, die man als Christ, als Christin halt so parat hat? Oder kannst Du etwas damit anfangen, dass Gottes Macht, mit der er Dein und mein Leben ver\u00e4ndert, sich auf das Wort Gnade reimt?<\/p>\n<p>Glaube ich Gott, dass seine Gnade die einzige Macht in meinem Leben ist, die das hinkriegt: mein Herz fest und furchtlos zu machen?<\/p>\n<p>Wer ist Jesus f\u00fcr Dich und f\u00fcr mich? Sie haben ihn verachtet, verleumdet, verspottet, verschm\u00e4ht, verraten haben.<\/p>\n<p>Die, die das Sagen hatten, haben es nicht ausgehalten, ihn in ihrer Mitte\u00a0 zu ertragen.<\/p>\n<p>Er hat das alles durchlitten, was seine Freunde und seine Feinde ihm angetan haben.<\/p>\n<p>Er\u00a0 hat es durchlitten, weil er es wollte, aus Liebe zu uns.<\/p>\n<p>Er hat die Einsamkeit und die Qualen durchlitten, das so offensichtliche Unrecht, das sie ihm angetan haben, als sie ihn an der Sch\u00e4delst\u00e4tte, dem Ort der Schmach, wie einen aufst\u00e4ndischen Verbrecher hingerichtet haben, dort drau\u00dfen, vor den\u00a0 Toren Jerusalems, ausgegrenzt aus der\u00a0 Gemeinschaft der Menschen.<\/p>\n<p>Macht uns das stolz, diesem Verachteten, Verlassenen Bruder und Schwester zu sein?<\/p>\n<p>Fange ich an zu zittern oder ist da auch so etwas wie Freude, wenn ich h\u00f6re, dass mein Ort <u>da<\/u> ist, wo <u>sein<\/u> Ort ist, drau\u00dfen vor den Toren\u00a0 der Stadt, an dem Ort der Schande und Einsamkeit, die er mit uns teilt und wir\u00a0 mit\u00a0 ihm?<\/p>\n<p>Und reichst Du uns den schweren Kelch den bittern, des Leids gef\u00fcllt bis an den h\u00f6chsten\u00a0 Rand, so nehmen wir ihn dankbar, ohne Zittern, aus Deiner guten und geliebten Hand.<\/p>\n<p>Dietrich Bonhoeffers Sylvestergru\u00df 1943 aus dem Nazi-Gef\u00e4ngnis in Tegel.<\/p>\n<p>Wie stark muss Gottes Gnade in meinem Herzen\u00a0 werden, dass ich mich traue, diese\u00a0 Worte furchtlos mitzusingen?<\/p>\n<p>Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zuk\u00fcnftige suchen wir. Unsere Welt, unsere St\u00e4dte d\u00fcrfen nicht bleiben, wie sie sind. Drau\u00dfen vor den Toren der Stadt, an der Seite des Verachteten, beginnt die Suche nach den Wegen, die uns Gottes kommender Stadt n\u00e4herbringen. Von dreien dieser Wege redet unser Predigttext.<\/p>\n<p>Bleiben soll schon jetzt und\u00a0 hier die Liebe zu Deinen und meinen Geschwistern. Das ist in Gottes Sinn, das wir unsere Geschwister lieben. Darauf ruht Segen. Es f\u00f6rdert Gottes Reich, dass es zu uns kommt.<\/p>\n<p>Alle unter uns, die keine Einzelkinder sind, werden als Erstes an ihre leiblichen Geschwister denken.<\/p>\n<p>Wir denken an die M\u00e4dchen und Jungen, an die M\u00e4nner und Frauen, mit denen wir aufgewachsen sind.<\/p>\n<p>Wir denken an die\u00a0 Erfahrungen, die wir speziell mit ihnen teilen.<\/p>\n<p>Wir alle denken bei dem Wort \u201eGeschwister\u201c auch an die Menschen in unserer Gemeinde hier in Vlotho, aber auch an Menschen, die weit entfernt in der Slowakei, in Tanzania und an vielen anderen Orten leben.<\/p>\n<p>Auch wenn wir uns in der Gemeinde in aller Regel nicht als \u201eSchwester\u201c und\u00a0 \u201eBruder\u201c anreden, schon bei jeder unserer Abendmahlsfeiern bekennen wir, dass wir es sind: Geschwister, Br\u00fcder und\u00a0 Schwestern.<\/p>\n<p>Von Gott mit der ausdr\u00fccklichen Erlaubnis versehen, einander liebzuhaben und einander beizustehen.<\/p>\n<p>Kein Vorbehalt, kein Einwand unsererseits wird Gott dazu bewegen, diese ausdr\u00fcckliche Erlaubnis zur\u00fcckzunehmen.<\/p>\n<p>Ja, da gibt es gewichtige Unterschiede zwischen unseren leiblichen Geschwistern und den Geschwistern in unserer Gemeinde.<\/p>\n<p>Aber auch Dinge, die beide miteinander verbinden.<\/p>\n<p>Dort wie hier: Unsere Geschwister haben wir uns nicht selbst ausgesucht.<\/p>\n<p>Unsere Eltern haben, als sie miteinander geschlafen haben, uns nicht gefragt, ob es uns Recht w\u00e4re, noch ein oder mehrere Geschwister zu bekommen.<\/p>\n<p>Jesus hat uns nicht vorher gefragt, mit wem er uns da alles als neue Br\u00fcder und Schwestern zusammenbringt.<\/p>\n<p>Die Liebe zu den Geschwistern soll bleiben.<\/p>\n<p>Es gibt innige, herzliche Gemeinschaft zwischen Geschwistern.<\/p>\n<p>Alle Herausforderungen machen sie nur st\u00e4rker.<\/p>\n<p>Von selbst versteht sich die Liebe zwischen Geschwistern weder in der Familie noch in der Gemeinde.<\/p>\n<p>Viel Zeit miteinander verbringen, eng aufeinander hocken; planen, entscheiden m\u00fcssen; glauben, die anderen zu kennen, Bescheid \u00fcbereinander zu wissen; mit dem Alltagsgesicht der anderen vertraut sein, das kann\u00a0 sich so und so entwickeln:<\/p>\n<p>Es kann uns einander n\u00e4herbringen, zusammenschwei\u00dfen, uns aneinander wachsen lassen.<\/p>\n<p>Und es bietet Gelegenheiten, dass Neid, Eifersucht, Streit, kleinlicher\u00a0 \u00c4rger, Gew\u00f6hnung, Resignation an Boden gewinnen.<\/p>\n<p>Kaum anders als in anderen Beziehungen auch.<\/p>\n<p>Gott will, dass die Liebe zwischen uns Geschwistern bleibt, dass sie standh\u00e4lt, nicht zerbricht, dass sie aus Krisen gest\u00e4rkt hervor geht.<\/p>\n<p>Ein Christ, eine Christin allein auf sich selbst gestellt, ist ein Widerspruch in sich.<\/p>\n<p>Da ist vorprogrammiert, dass ihm, dass ihr die Luft ausgeht. Da ist die Hoffnung auf das, was Gott durch uns\u00a0 tun will, schnell dahin.<\/p>\n<p>Da werden bald vor dem Ansto\u00df und den Anfeindungen Rei\u00dfaus nehmen, die wir erwecken, wenn wir\u00a0 uns zu dem verachteten Jesus bekennen.<\/p>\n<p>Wir brauchen <u>einander<\/u>, wie wir <u>Christus<\/u> brauchen. Wir brauchen <u>einander<\/u>, weil Christus uns <u>gemeinsam<\/u> braucht: als ein lebendiges Zeugnis gegen die Vereinzelung, gegen das Voreinander-Weglaufen, gegen das Einander-gleichg\u00fcltig sein.<\/p>\n<p>Vergesst nicht die Liebe zu den Fremden, denn durch sie haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.<\/p>\n<p>Es gibt begl\u00fcckende\u00a0 Erfahrungen,\u00a0 wenn\u00a0 wir uns darauf\u00a0 einlassen, uns fremden Menschen zu \u00f6ffnen: mit unseren Herzen, mit unseren Gedanken, mit unserer Zeit, in unseren Geb\u00e4uden und\u00a0 Wohnungen.<\/p>\n<p>Davon k\u00f6nnen die meisten etwas erz\u00e4hlen, die schon mal einen Gast aus unserer Partnergemeinde n Rimaszombat bei sich aufgenommen oder die beschwerliche Reise in die Slowakei auf sich genommen haben,<\/p>\n<p>die Kontakt mit einer der Delegationen aus Tanzania hatten, die sich um Kontakte mit gefl\u00fcchteten Menschen bem\u00fcht haben: von viel Herzlichkeit, offenen T\u00fcren, Bereicherung durch neue, andere Blickwinkel;<\/p>\n<p>die leibhaftige Erfahrung, dass wir als Menschen \u00fcber alle selbst errichteten Grenzen hinweg zusammengeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Vergesst nicht die Liebe zu fremden Menschen! Von der Gefahr der Vergesslichkeit war bei der Geschwisterliebe keine Rede.<\/p>\n<p>Die Liebe zu Menschen, denen wir nicht fast t\u00e4glich \u00fcber den Weg laufen, die wir selten oder nie von Angesicht\u00a0 zu Angesicht\u00a0 zu sehen bekommen, erfordert besondere M\u00fche und Beharrlichkeit.<\/p>\n<p>Wie aufwendig ist das seit Monaten, sich durchs Fernsehen aber auch per Internet mehr als bruchst\u00fcckhaft \u00fcber Geschehnisse jenseits der Grenzen Deutschlands, Europas zu informieren: etwa \u00fcber Menschen, die von einem afrikanischen Land in ein anderes fliehen mussten und das sind zahlenm\u00e4\u00dfig so viel mehr als die Zahl derer, die es bis zu uns nach Europa schaffen. Was geschieht eigentlich in Syrien und anderen Kriegsgebieten? Was ist mit den Hungernden?<\/p>\n<p>Woher kommt die Kraft, uns damit zu besch\u00e4ftigen, wenn uns die eigene Situation, die eigenen \u00c4ngste vor Ansteckung, die Sorgen um das materielle Auskommen so in Beschlag nehmen?<\/p>\n<p>Auch an mir pers\u00f6nlich stelle ich diese Tendenzen fest. Einige Wochen lang habe ich versucht, gezielt wenigsten etwas \u00fcber die\u00a0 Situation in den v\u00f6llig\u00a0 \u00fcberf\u00fcllten Fl\u00fcchtlingslagern in Griechenland in Erfahrung zu bringen.<\/p>\n<p>Unsere Innenministerkonferenz hat im Juni beschlossen, wenigstens mehrere hundert der besonders gef\u00e4hrdeten Menschen nach Deutschland zu bringen.<\/p>\n<p>Ich habe mich gewundert, dass seitdem so gut wie nichts \u00fcber die Umsetzung in Erfahrung zu bringen ist.<\/p>\n<p>Auch ich habe mich nicht mehr bem\u00fcht nachzuhaken, habe meine Nachforschungen seit Wochen drangegeben.<\/p>\n<p>Und wie viele Wochen\u00a0 sind ins Land gegangen, bis ich der syrischen Familie, zu der ich seit einigen Jahren\u00a0 Kontakt habe, endlich wieder einen Besuch abgestattet habe und wir uns im Frei auf\u00a0 den Steinplatten vor ihrem Haus endlich \u00fcber ein Wiedersehen freuen konnten?<\/p>\n<p>Der Gedanken an sie war immer in meinem Hinterkopf. Aber ich habe mich von so viel Anderem in Beschlag nehmen\u00a0 lassen.<\/p>\n<p>Vergesst die Liebe zu den Fremden nicht! Ich glaube, darauf liegt eine besondere Verhei\u00dfung.<\/p>\n<p>Es gibt ja nicht nur begl\u00fcckende\u00a0 Erfahrungen, die wir im Kontakt mit uns von Haus aus fremden\u00a0 Menschen machen.<\/p>\n<p>Menschen aus anderen L\u00e4ndern, zu denen wir Kontakt bekommen, das sind keineswegs durch die Bank freundlichere, fr\u00f6hlichere, hilfsbereitere, herzlichere Menschen.<\/p>\n<p>Und es gibt Aspekte von Fremdheit, die sich nicht im Laufe\u00a0 der Zeit in Luft aufl\u00f6sen, sondern uns mit der Zeit vielleicht erst so richtig zu Bewusstsein kommen, wenn wir\u00a0 uns etwas besser kennengelernt haben.<\/p>\n<p>Sie m\u00fcssen das keineswegs f\u00fcr\u00a0 alle\u00a0 Ewigkeit tun, aber k\u00f6nnen doch viel hartn\u00e4ckiger sein als wir das lange gedacht\u00a0 haben.<\/p>\n<p>Sto\u00dfen wir in der Liebe zu uns von Haus aus fremden Menschen auf vergleichbare Schwierigkeiten wie die Liebe, mit der Gott uns, seine Menschen liebt?<\/p>\n<p>Ja, wir sind seine Gesch\u00f6pfe, wir sind geschaffen zu seinem Ebenbild.<\/p>\n<p>Und doch geb\u00e4rden wir uns ihm gegen\u00fcber\u00a0 wie Fremde: zeigen ihm die kalte Schulter; unterstellen ihm, uns bevormunden zu wollen, vergessen ihn einfach oder machen uns ein Bild von ihm zurecht, wie es uns gef\u00e4llt;<\/p>\n<p>wollen ihm vorschreiben, wie er zu handeln, was er zu tun und zu lassen hat; und wehe, wenn er sich dagegen zur Wehr setzt.<\/p>\n<p>Unser Gott liebt uns, Dich und mich.<\/p>\n<p>Er vergisst uns nicht. Er l\u00e4sst sind durch das, was ihn an uns befremdet, nicht\u00a0 hindern, unsere N\u00e4he zu suchen.<\/p>\n<p>Er setzt weiter alles daran, uns sich ihm vertraut zu machen und sich uns vertraut zu machen.<\/p>\n<p>Dass Gott uns doch mit seiner Art von Liebe ansteckt, in allem, wo wir uns gegenseitig fremd bleiben!<\/p>\n<p>Denkt an die Gefangenen, so als ob ihr ihre Mitgefangenen w\u00e4rt und an die Misshandelten als solche, die selbst einen K\u00f6rper haben.<\/p>\n<p>Es ist der Vers unseres Predigttextes, der mich am meisten ber\u00fchrt und besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Er spricht von der Erfahrung, die mir im Leben die gr\u00f6\u00dfte Angst macht: mir vorzustellen, wie das sein muss, gefoltert, misshandelt zu werden.<\/p>\n<p>Wenn ich etwas beim Filme, beim Serien ansehen kaum aushalten kann, dann sind es die Szenen, die so etwas zeigen.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu den M\u00e4rtyrern und\u00a0 M\u00e4rtyrerinnen, die f\u00fcr ihren\u00a0 Glauben\u00a0 gestorben sind, komme\u00a0 ich mir wie ein Feigling vor.<\/p>\n<p>Denk an sie, erinnert Euch der Gefangenen, der Misshandelten!<\/p>\n<p>Es geht bestimmt um die Menschen, die wegen ihres Glaubens oder wegen ihrer \u00dcberzeugungen gefangen\u00a0 sind oder misshandelt werden.<\/p>\n<p>Aber der Text enth\u00e4lt keinen Hinweis, dass aus anderen Gr\u00fcnden gefangene Menschen (also auch M\u00f6rder und M\u00f6rderinnen), aus anderen Gr\u00fcnden gefolterte, misshandelte Menschen\u00a0 ausgeschlossen\u00a0 w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Kann ich das \u00fcberhaupt, mich in einen Menschen hineinversetzen, der im Gef\u00e4ngnis sitzt, so als ob ich in seiner\u00a0 Nachbarzelle\u00a0 untergebracht w\u00e4re, wenn ich nie selbst im Gef\u00e4ngnis gesessen habe?<\/p>\n<p>Ja, ich bin selbst Wesen, das einen schmerzempfindlichen K\u00f6rper hat.<\/p>\n<p>Aber kann ich ermessen, was das bedeutet, misshandelt zu werden, wenn ich davon bisher verschont geblieben bin?<\/p>\n<p>\u201eAls\u201c, \u201ewie\u201c steht im Bibeltext.<\/p>\n<p>Nein, weder Du noch ich k\u00f6nnen solches Leid in Gedanken vorwegnehmen oder uns einbilden, wir k\u00f6nnten erfassen wie das ist.<\/p>\n<p>Mehr als versuchen, sich solchen Erfahrungen, wenigstens gedanklich ein ganz kleines bisschen anzun\u00e4hern, wird uns nicht gelingen.<\/p>\n<p>Und wenn wir schon nicht wissen, was wir sonst tun k\u00f6nnten,\u00a0 dann wenigstens die Menschen, die diesen Qualen ausgesetzt sind, in unser Gebet einschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das ist nichts \u00dcbermenschliches, was Gott uns damit zumutet, nein bestimmt nicht.<\/p>\n<p>Trotz meiner \u00c4ngste oder gerade wegen meiner \u00c4ngste: Ich bin froh, dass der Vers in unserem\u00a0 Text drinsteht.<\/p>\n<p>Unser Gott verschlie\u00dft nicht die Augen vor dem, was ich mir w\u00fcnsche, es w\u00fcrde in unserer Welt nicht existieren.<\/p>\n<p>Sein\u00a0 Sohn hat es drau\u00dfen vor den Toren der Stadt am eigenen Leib erlitten.<\/p>\n<p>Dass er das f\u00fcr uns getan hat, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat, sind Zeichen der Hoffnung, dass unsere Welt nicht bleiben darf, wie sie\u00a0 ist, dass die Suche nach der zuk\u00fcnftigen\u00a0 Stadt keine vergebliche ist.<\/p>\n<p>Ich bin froh, dass Gott mich zu dem auffordert, wovor ich mich f\u00fcrchte: den Gefangenen und\u00a0 Misshandelten mehr Raum zu geben:<\/p>\n<p>In meinen Gedanken, in meinen Gebeten, und hoffentlich in dem, was ich tue.<\/p>\n<p>Gott gebietet nichts, wozu er nicht die Kraft verleiht.<\/p>\n<p>Er gebietet uns das, was uns seinem Reich n\u00e4her bringt.<\/p>\n<p>Amen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Die Liebe zu den Geschwistern soll bleiben 2 Vergesst nicht die Liebe zu den Fremden, \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 &hellip; 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