Taufgottesdienst Frieda Engelking

Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin,

wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.

Psalm 139,14

Liebe Frieda, liebe Johanna, lieber Kevin,

liebe Gemeinde!

Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin,

wunderbar sind deine Werke,

das erkennt meine Seele.

Das sind die Worte Deines Taufspruchs, Frieda, den Deine Eltern für Dich ausgesucht haben.

Für Deine Eltern ist das überhaupt keine Frage: Du, Frieda, bist wunderbar gemacht!

Das sieht man an der Art und Weise,

wie sie dich auf den Arm nehmen,

wie sie auf Dich reagieren,

wie Du sofort ihre Aufmerksamkeit hast.

Es wird wohl noch einige Zeit dauern,

bis Du Dein erstes Wort sagen wirst,

eins, das auch für unseren Wortschatz

verständlich ist.

Aber schon jetzt verfügst Du über eine unverwechselbare Stimme,

mit der Du Dich bemerkbar machst.

Beim Stehen brauchst Du

nur noch wenig stützenden Halt.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann

Du Deinen ersten selbständigen Schritt tust.

Du hast so einen wachen Blick,

mit dem Du einem direkt in die Augen siehst

und einen anlächelst.

Das ist doch ein Lächeln, oder Frieda?

 

Die Worte Deines Taufspruchs werden Dich

alle Tage Deines Lebens begleiten:

wenn Du in den Kindergarten kommst,

wenn Du zur Schule gehst,

wenn Du Dich verliebst,

wenn Dir jemand das Herz bricht,

wenn Du mit Freunden und Freundinnen zusammen bist,

wenn Du allein sein willst,

wenn Du Dich einsam fühlst,

wenn Du überlegst,

welchen Beruf Du ergreifen sollst,

ob Du eine Familie gründen möchtest,

in den Dingen, für die Du Dich engagierst,

weil sie Dir wichtig sind,

wenn Du Dein erstes graues Haar

an Dir entdeckst,

wenn die Erfahrungen, die Du machst,

Spuren auf Deinem Gesicht hinterlassen:

Sorgenfalten und Lachfalten.

Dass wünschen Dir die Menschen,

die Dich liebhaben, Frieda,

dass Du an jedem Tag,

der vor Dir liegt, in der Gewissheit

und in der Freude darüber lebst:

Ich danke Dir, mein Gott,

dass ich wunderbar gemacht bin.

Wunderbar bist Du gemacht,

weil es Gott mit Dir nicht anders gehalten hat als

mit irgendeinem anderen der Menschenkinder, die heute zu Deiner Taufe gekommen sind:

Schon bevor Du im Bauch Deiner Mutter gewoben wurdest,

waren Gottes Gedanken mit Dir beschäftigt.

Wie soll irgendeiner von uns Menschen

das begreifen? Wie sollte es Dir anders gehen?

Dass Dich dieser Wunsch,

das begreifen zu wollen,

den ich so gut nachvollziehen kann,

Dich nur nicht daran hindert,

darüber zu staunen und

Dich von Herzen darüber zu freuen:

Ich, Frieda Engelking,

bin von Gott wunderbar gemacht.

Gott hat gewusst,

was ihm ohne mich gefehlt hat,

warum er mir diese Eltern gegeben hat,

warum ich in diese Familie

hineingeboren bin,

warum dies mein Fenster werden soll,

die Welt zu entdecken.

Gott hat mir Sinne gegeben,

um Gebrauch von ihnen zu machen,

die Welt, ihre Menschen und

ihre Tiere zu erkunden.

Er hat mir die Erlaubnis gegeben,

seine Lebewesen lieb zu gewinnen,

sie zu achten, für die Kostbarkeit,

die Gott in sie hineingelegt hat

Gott hat mich zu einem Wesen gemacht,

das fähig ist, andere zu lieben,

das sich nicht von der Hoffnung abbringen lässt,

die Gott in unserer Welt entfacht hat,

zu einem Wesen, das mehr Zutrauen zu dem hat,

was Gott in uns sieht,

als zu dem, was wir Menschenkinder

für offensichtlich halten.

Ich bin ein Mensch, den Gott über die Maßen wunderbar gemacht hat.

Es wird Tage geben,

und das wünschen wir Dir von Herzen,

dass es davon in Deinem Leben,

so viele wie möglich geben wird

an denen wird Dir das leicht fallen,

Gott zu glauben,

dass er Dich wunderbar gemacht hat.

Der Gedanke daran beflügelt Dich,

treibt Dich an, macht Dich wagemutig,

lässt Dich Dinge probieren, durchziehen,

gegen die Du sonst ne Menge vernünftig klingender Einwände parat gehabt hättest

Nicht, dass Du nicht mehr darüber staunst,

nicht dass Du das plötzlich für etwas

Selbstverständliches hältst,

dass Gott Dich wunderbar gemacht hat.

Aber es kommt Dir nicht mehr

völlig unplausibel vor,

vielleicht hat es ja sogar

eine Spur Einleuchtendes:

Wenn andere Dich spüren lassen,

dass sie Dich mögen,

dass sie gern mit Dir zusammen sind,

wenn ihre Mienen heller werden,

wenn Du den Raum betrittst

wenn Du merkst, dass sie Dir zuhören,

dass Gewicht für sie hat, was Du sagst,

dass sie Deine Kritik nicht abtun,

sondern prüfen, was an ihr dran sein könnte.

Wenn sie Dich um Rat fragen,

wenn sie Dir Dinge im Vertrauen sagen,

wenn Du feststellst, dass ihre Frage

„Wie geht es Dir?“ tatsächlich ernst gemeint ist,

dass sie wirklich etwas darüber hören wollen,

und nicht Reißaus nehmen,

wenn sie mitbekommen, dass es Dir schon längere Zeit gar nicht gut geht.

Wenn sie signalisieren, dass sie Deine Stärken sehr wohl wahrgenommen haben,

wenn sie Gaben an Dir entdecken,

die Dir selbst bisher verborgen waren

dann muss ja wohl doch etwas dran sein,

an dem, was Gott über Dich sagst:

wunderbar bist Du gemacht,

sehr gut, was ich da geschaffen habe.

Es wird Tage, Zeiten geben, Frieda,

da werden Dir die Worte:

„Ich danke Dir, dass ich wunderbar gemacht bin,

schwerer über die Lippen gehen.

Tage, an denen Du lieber

nicht so genau hinsiehst.

wenn Dein Gesicht vor Dir im Spiegel auftaucht,

Tage, an denen Du für dein Gefühl den Menschen mit der gleichen Freundlichkeit

wie immer begegnest, aber heute scheint sie

an den anderen einfach abzuprallen,

es scheint ihnen gleichgültig zu sein,

es wird Tage geben, an denen Du das Gefühl hast, die andere will Dich absichtlich missverstehen, und Du weißt einfach nicht,

wie ihr aus dieser Nummer rauskommen sollt,

es wird Tage, Zeiten geben,

in denen Du Dich für das,

was Du gesagt, was Du getan hast,

ohrfeigen könntest,

und Du weißt genau, es hilft nichts,

Du kannst es nicht ungeschehen machen

und noch dazu stößt Du mit Deinem Wunsch,

um Vergebung zu bitten, auf taube Ohren.

Es wird Tage geben,

an denen Du Dir eingestehen musst, dass Du mit Deinen guten Absichten das Gegenteil von dem erreicht hast, was Du Dir gewünscht hast.

Es mag Tage geben, an denen Du nicht weißt,

wie Du gegen Deinen Neid und Deine Eifersucht ankommen sollst.

Das sind die Tage, Frieda, an denen die Worte

Deines Taufspruchs besonders kostbar sind, weil sie nicht weniger wahr sind als an irgend

irgendeinem anderen Tag.

Gesegnet bist Du, wenn Du gerade jetzt an Ihnen festhältst, wenn Du Dich von niemandem anderen, vor allem aber von Dir selbst nicht davon abhalten lässt, sie gerne und frohen Herzens mitzusprechen:

Ich danke, Dir, dass ich wunderbar gemacht bin.

Lass Dich durch nichts davon abbringen,

weil Gott es nicht tut:

Du bist sein geliebtes Kind,

dass er wunderbar gemacht hat, dass er gerade so und nicht anders haben wollte.

Kostbar und unverzichtbar bist Du Deinem Gott,

weil er Dich liebt.

Er hat es sich das Leben seines Sohnes kosten lassen, mit Dir in Frieden zu leben.

Nichts von dem, was ein anderer Mensch,

nichts von dem, was Du selbst gegen Dich vorbringen magst,

wird ihn davon abhalten, mit dem Menschen,

den er wunderbar gemacht hat,

in Frieden zu leben.

Gott hat in Jesus Frieden gemacht,

dass Du Dich traust,

mit den anderen in Frieden zu leben,

den Frieden zwischen Euch zu suchen.

Kein Schritt, den Du daraufhin wagst,

wird auf Dauer vergeblich sein.

Niemals sind die Mühen der Liebe vergeblich.

 

Wie gut, dass Dein Taufspruch so weitergeht:

Wunderbar sind deine Werke,

das erkennt meine Seele.

Wunderbar sind alle deine Werke.

Wunderbar gemacht ist das Weltall,

die Sonne, der Mond und die Sterne,

die kein Mensch zählen kann,

die Welten, von deren Existenz

noch kein Mensch etwas ahnt.

Wunderbar gemacht sind die Pflanzen,

die Blumen, das Meer der blauen Kornblumen

im Weizenfeld, die zarten Gräser im Wind

und die mächtigen schattenspendenden Bäume.

Wunderbar ist das Gewimmel der Wesen,

die das Meer bewohnen,

das Gezwitscher der Vögel,

das den neuen Tag ankündigt.

Wunderbar gemacht sind deine Tiere,

ein jedes in seiner Art.

Wunderbar gemacht sind alle deine Menschen,

jeder einzelne und jede einzelne von ihnen.

Wunderbar von Dir gemacht sind die Menschen,

die ich liebhabe, die mir so vertraut sind,

dass ich keinen von ihnen um mich herum

missen möchte.

Wunderbar von Dir gemacht sind alle Deine Menschen, weil sie mich immer wieder neu überraschen, weil sie gar nicht daran denken,

sich von mir in eine Schublade pressen zu lassen.

Weil sie fröhlich auf das Bild pfeifen,

das ich mir von ihnen gemacht habe.

Wunderbar von Dir gemacht

sind alle Deine Menschen,

die mir ein Rätsel sind,

wie ein Buch mit sieben Siegeln,

von denen ich bisher

nicht eines zu öffnen vermochte.

Wunderbar von Dir gemacht sind

alle Deine Nervensägen,

die Menschen, die ihren Blick senken

und stumm an mir vorübergehen,

ohne meinen Gruß zu erwidern,

bei denen ich mich frage,

was sie so mürrisch, so verschlossen macht.

Wunderbar von Dir gemacht sind die Menschen, von denen ich denke,

dass sie mich nicht leiden können,

dass sie mich absichtlich missverstehen,

die Menschen, denen meine Seele vorhält,

dass sie glauben, die Weisheit für sich

gepachtet zu haben.

Wunderbar von Dir gemacht sind

alle Deine Menschen, durch die Du mich

von meinem hohen Ross runterholst,

indem Du Dir von mir nicht verbieten lässt,

sie zu lieben, indem Du mir zeigst,

dass Du nicht ohne sie Gott sein willst,

dass sie Dir nicht weniger fehlen würden

als ich Dir fehlen würde.

Gesegnet unser Gott, Frieda,

der Dich und uns das lehrt,

der nicht aufhört, zu hoffen,

dass wir anfangen, mit seinen Augen zu sehen,

die anderen und uns selbst,

das Wunderbare zu entdecken,

dass er in uns hineingelegt hat,

dass er schon sieht,

während wir noch blind dafür sind,

weil er uns  alle gemeinsam mit den Augen seiner Liebe sieht.

Amen

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