2019, 11, 24, Mt 25,1-3, Ewigkeitssonntag

Ps 126 HK 45 Jes 65,17-19,24-25

450,1-2,4-5 Morgenglanz der Ewigkeit, 153,1-5 Der Himmel, der ist

147,1-3 Wachet auf, ruft uns die Stimme, 289,1-4 Nun lob, mein Seel, den Herren, 229,1-3 Kommt mit Gaben und Lobgesang

Liebe Angehörige der Menschen, die in diesem Jahr verstorben sind, liebe Gemeinde!

Wacht!“ sagt Jesus. „Haltet Euch bereitet, dass Ihr bloß nicht den Moment verpasst, wenn der Bräutigam endlich kommt!“ Das muss man den Gästen einer Hochzeitsgesellschaft nicht zwei Mal sagen. Und den Brautführern und Brautführerinnen erst recht nicht. Die waren ja in den letzten Monaten während ihrer freien Zeit mit fast nichts anderem beschäftigt, als alles für diesen Moment und die nachfolgende Feier vorzubereiten.

Wir, die wir heute zum Gottesdienst gekommen sind, fühlen uns wohl kaum wie Gäste einer Hochzeitsgesellschaft. Ein guter Teil von Ihnen, von Euch, sind heute gekommen, weil sie im zurückliegenden Kirchenjahr einen der liebsten oder überhaupt den liebsten Menschen verloren haben, den es in ihrem Leben gibt.

Jesus wagt es, seine Worte an Sie, an Euch, an uns alle zu richten, egal, wie wir heute gekommen sind, also auch an die unter uns, die mit einer Narbe in der Seele oder mit einer gerade mal notdürftig vernarbten Wunde gekommen sind, an alle, die mit einer Wunde gekommen sind, die noch sehr frisch ist oder sogar noch weit offen steht und sich nur schwer schließen will.

Wacht!“ sagt Jesus zu uns allen. Reibt euch den Schlaf aus den Augen. Bitte nicht wieder einschlafen! Ich möchte das nicht, das täte mir in der Seele weh, wenn auch nur einer, wenn auch nur eine von Euch Gottes großes Hochzeitsfest verpasst.

Ein Glück, dass es Jesus ist, der diese Einladung ausspricht. Wer sonst sollte den Mut aufbringen, gegen all unseren Schmerz uns die unbändige Vorfreude auf Gottes Hochzeitsfest vor Augen zu malen? Wer sollte den Mut dazu haben als der, der sich für uns zum Sklaven gemacht, der für uns den Tod erlitten hat, der als erster und bisher einziger von den Toten zurück gekommen ist? Wer sollte den Mut dazu haben außer dem, den Gott uns als Pfand gegeben hat, auf Grund dessen wir es überhaupt wagen, gegen die Allgegenwart des Todes um uns herum zu hoffen: auf neues Leben, auf ein Leben, das Grab und Verwesung hinter sich lässt?

Wacht!“ sagt Jesus. Woran denken Sie, woran denkst Du, wenn Du Jesus das sagen hörst? Denken Sie an die vielen Stunden, die Sie bei dem Menschen gewacht haben, den Sie geliebt haben und den Sie weiter lieben? Wie schwer Ihnen das manchmal gefallen ist und wie sehr Sie sich dann trotzdem gefeut haben, zu merken, wie gut es dem anderen, der anderen tut, dass Sie bei ihm, dass Sie bei Ihr ausharren?

Denkst Du an die Male, wo Du so gerne die ganze Zeit wach geblieben wärst, aber irgendwann einfach nicht mehr dagegen ankämpfen konntest, dass Dir die Augen zugefallen sind? Hast Du da an Petrus und Jakobus und Johannes im Garten Gethsemane gedacht denen es ganz ähnlich ergangen ist, als Jesus in seiner Todesangst sie darum gebeten hat, wenigstens eine Stunde mit ihm zu wachen?

Denken Sie an die Stunden, in denen Sie nachts wachliegen und sich von Herzen wünschen, endlich wenigstens für ein zwei Stunden Schlaf zu finden. Aber er will sich einfach nicht einstellen, weil sich in Ihrem Kopf so Vieles im Kreise dreht?

Was für eine Art von Wachsein wünscht sich Jesus für uns?

Dann wird das Reich der Himmel 10 Jungfrauen verglichen werden, die ihre Lampen nehmen und der Ankunft des Bräutigams entgegen gehen.

Sie sind zu zehnt. Sie haben alle Lampen dabei. Wenn es dunkel wird, dann werden sie dem Bräutigam den Weg leuchten. Nicht auszudenken, wenn er sich im Dunkeln verläuft und den Weg zu seiner Braut nicht findet. Er soll, er darf seine Braut auf keinen Fall verpassen!

Aber als der Bräutigam dann zur verabredeten Zeit nicht kommt, als es acht, neun Uhr wird und noch immer kein Bräutigam in Sicht ist, da packt irgendwann alle 10 die Müdigkeit, nicht nur die 5 törichten Jungfrauen, sondern auch die fünf klugen, die ausreichend Extra-Öl dabei haben. Alle 10 schlafen sie ein, alle 10 werden nicht von selbst wach, sondern erst,als der Bräutigam dann tatsächlich endlich kommt und so ein Lärmen und ein Jubel um sie herum ist, dass es unmöglich ist, weiterzuschlafen.

Für die fünf klugen jungfräulichen Brautführerinnen, die genügend Öl dabei haben, ist es gar kein Problem, dass sie für eine Weile eingeschlafen sind. Schlimm ist es ist nur für die fünf törichten, die jetzt damit konfrontiert werden, was sie doch die ganze Zeit über hätten wissen müssen. Wie kannst Du denn als Brautführerin zu einer Hochzeitsfeier gehen und nicht ausreichend Öl für deine Fackel mitnehmen, um dem Brätugigam den Weg zu seiner Braut zu leuchten. Da kommen dann alle Versuche, zu retten, was noch zu retten ist, schnell zum Kaufmann zu laufen und das auf den letzten Drücker zu besorgen, wozu man vorher alle Zeit der Welt gehabt hätte, zu spät. Das ist bitter, das tut weh, sehr weh.

Ich musste an die Herbstferien denken, als meine Frau und ich mit dem Flugzeug nach Paris wollten. Wir dachten, wir hätten alles richtig vorbereitet, und dann sind wir doch wohl etwas zu spät losgefahren, ein bisschen zu lang im Stau gestanden, am Flughafen zu sorglos und dann hieß es plötzlich, zu spät: sie können nicht mehr an Bord. Das Flugzeug wird nicht wegen ihnen den Abflug verzögern.

Da bin ich mir so gut wie sicher: Bei all den Traugottesdiensten, bei denen ich in den letzten Jahren als Pastor dabei gewesen bin, so ein Fauxpas wäre den Brautführern und Brautführerinnen, den Trauzeugen und Trauzeuginnen nicht passiert. Ja, es ist leicht, sich darüber zu mokieren, dass für die heutigen Hochzeitsfeiern so ein Riesenaufwand betrieben wird. Ich als Pastor bin jedenfalls immer wieder beeindruckt, mit wieviel Sorgfalt, mit wieviel Genauigkeit,mit wieviel Konzentration und Liebe alles, was mit dem festlichen Rahmen des Gottesdienstes und der Feier zusammenhängt, von den Freunden und Freundinnen des Brautpaares vorbereitet wird, so dass es für das Brautpaar zu einem wunderschönen Tag wird.

Zu einer solchen klugen, ungeteilten Wachsamkeit fordert uns Jesus im Blick auf das Reich der Himmel, im Blick auf Gottes Reich auf. Trachtet zuerst nach dem Reich des HERRN und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen, sagt Jesus.

Ich glaube, dass wird jeder von Ihnen, von Euch bestätigen, der schon Stunden, Tage am Bett eines lieben, schwerkranken Menschen gewacht, mit ihm gesprochen, seine Hand gehalten oder versucht hat, ihm das Atmen irgendwie etwas zu erleichtern, ihm zu helfen, eine Liegeposition zu finden, in der die Schmerzen ein klein wenig erträglicher sind.

Im wachenden Ausharren bei einem Menschen, den wir lieben, wird uns deutlich, was wirklich zählt im Leben, was wichtig und was unwichtig ist. Wichtig ist es, da zu sein, füreinander da zu sein, nicht wegzulaufen, sich Zeit füreinander nehmen, sich in die Augen sehen können, verzeihen, um Verzeihung bitten. Vieles von dem, was wir vor Kurzem noch für sehr wichtig gehalten, worum wir uns viele Sorgen gemacht haben, kommt uns nun wie etwas Geringes vor.

Für unseren Gott, dessen Sohn in seiner Liebe zu uns bis ans Kreuz gegangen ist, um alles aus dem Weg zu räumen, was uns von Gott trennt, gibt es keinen sehnlicheren Wunsch als im Frieden mit uns zu leben, und keinen sehnlicheren Wunsch als uns dazu zu bringen, im Frieden miteinander zu leben.

Das Reich der Himmel ist der Ort, an dem Gott mitten unter uns sein Zelt aufgeschlagen hat, der Ort, an dem er uns die Tränen aus unseren Augen wischen wird, der Ort, an dem Leid und Geschrei aufhören wird, der Ort mit der Stadt, deren Tore weit geöffnet sind, weil niemand mehr vor dem anderen Angst hat.

Das Reich Gottes ist kein reiner Zukunftsort ,sagt Jesus. Wo ich bin, wo ich Euch zu mir an meinen Tisch einlade, die Fröhlichen und die mit den Tränen in den Augen, die, die ganz ruhig daüber sind, mir zu vertrauen und die, die von ihren Zweifeln ganz erdrückt werden; dort, wo ihr euch traut mit dem Richten aufzuhören, dort, wo Ihr mich um die Kraft bittet, die Menschen zu lieben, die Euch angegriffen und verletzt haben, dort, wo ihr mir erlaubt, Eure Lasten zu tragen, dort ist das Reich der Himmel bereits mitten unter euch.

Das Reich der Himmel liegt nicht in unendlicher Ferne. Das Reich der Himmel liegt nicht im Land Nirgendwo. Das Reich der Himmel ist so nahe wie die Vorbereitungen auf ein Hochzeitsfast. Das Reich der Himmel wird verglichen werden mit 10 jungen Frauen, die sich auf eine Hochzeit vorbereiten, die mit ihren Ölfackeln sehnsüchtig auf die Ankunft des Bräutigams warten, um ihn zu seiner Braut zu bringen.

Wacht!“ sagt Jesus, seid wachsam wie Menschen, die alles daran setzen, um es dem Brautpaar schön zu machen! Richtet all Eure Aufmerksamkeit, Eure Konzentration, Eure Sorgfalt, Eure Liebe auf Gottes Reich. Denn Gottes Reich, das so anders ist als eure menschlichen Reiche, so anders als eure Formen von Herrschaft, so anders als Eure Weisen Macht zu demonstrieren und Macht auszuüben, Gottes Reich, wo der der Erste ist, der allen anderen dient, der sich vor ihnen hinkniet, um ihnen die schmutzigen Füße zu waschen, dieses Reich Gottes kommt, es ist schon mitten unter Euch!“

Es ist Jesus, der es wagt, heute, am Tag, an dem wir unserer Toten gedenken, unsere Blicke, unsere Gedanken auf die Vorfreude auf eine Hochzeit zu richten. Wird Jesus es schafffen, sich damt einen Weg zu Ihrem, zu Eurem Herzen zu bahnen?

Wird Jesus das gelingen? Wirst Du sagen: Ich möchte Dir da gerne folgen, Jesus. Aber ich fürchte, ich kann das nicht. Mir geht das zu schnell. Vielleichht kann ich das noch nicht. Vielleicht, hoffentlich, werde ich das irgendwann können. Dass, ob es Jesus gelingt, sich einen Weg zu Ihrem, zu Eurem , zu meinem Herzen zu bahnen, das liegt in seiner Hand. Ich bin froh darüber, dass es so ist. Er ist der, der von sich gesagt hat, dass er den glimmenden Docht nicht auslöschen und das geknickte Rohr nicht zerbrechen wird. Er, der das sagt, ist treu. Darauf will ich vertrauen, dass er Wort halten wird.

Amen

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